B. 128. Das Bad.
Auch von diesem Holzschnitt haben die seltenen scharfen frühesten Abdrücke das Wasserzeichen des großen Reichsapfels, mit Strich und Stern im Papier, ein Wasserzeichen, welches man bei den großen Dürer’schen Holzschnitten, deren Datum nicht über das Jahr 1511 hinausgeht, in ersten Drucken allgemein antrifft.
Ich bin aus diesem Grunde, wie aus anderen in der Behandlung des Holzschnitts liegenden Ursachen, der Ansicht: daß derselbe zu den früheren Arbeiten Dürer’s gehört, welches auch Heller annimmt und worin ich durch eine in der Sammlung der Kunsthalle in Bremen befindliche Dürer’sche Zeichnung bestärkt werde, welche ein Frauenbad mit Kindern darstellt, in Styl und Behandlung große Uebereinstimmung mit diesem Holzschnitt hat und die Jahrszahl 1496 trägt. Spätere gute Abdrücke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen des K, Nr. 40, die neueren mit dem Zeichen des Wappens von Augsburg, Nr. 49.
Von diesem Blatte giebt es eine alte bisher ganz unbekannte Wiederholung, wovon der einzige mir zu Gesicht gekommene Abdruck von meinem verehrten Freunde, dem Herrn Dr. Straeter in Aachen, in London aufgefunden und mir überlassen wurde.[42] Sie hat kein Monogramm und ist überhaupt keine genaue Copie, scheint vielmehr nach derselben Dürer’schen Zeichnung von einem andern Formschneider gearbeitet zu sein. Der Schnitt ist sehr scharf, und es wäre nicht unmöglich, daß dies der erste Schnitt nach der Zeichnung wäre, welcher unsern Meister vielleicht nicht befriedigt und deshalb den andern Holzschnitt veranlaßt hätte.
Daß der fragliche Abdruck schon bei Lebzeiten Dürer’s und zwar anscheinend vor 1515 genommen ist, beweist dessen Papier mit dem Wasserzeichen der großen hohen Krone, Nr. 21, welches bei den ältern Holzschnitten dieser Periode, aber nicht später, vorkommt.
B. 129. Die Säule. 1517.
Herr Dr. Nagler hat auf pag. 203 seiner Monogrammisten eine Nachweisung der in Deutschland vorhandenen vollständigen Exemplare dieses schönen in allen 4 Blättern von gleichem alten Druck höchst seltenen Kunstwerks gegeben. Ausser den angeführten ist noch ein vollständiger Abdruck in der Privat-Sammlung des verstorbenen Königs von Sachsen und in der Sammlung des Museums zu Braunschweig auch einer, dem indeß ein Blatt der Mittelstücke fehlt, auf der Festung zu Coburg. —
Bei den alten Drucken, welche nicht aufgelegt waren, habe ich im Papier das Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 35, gefunden, bei dem dritten Blatte von oben hat das Exemplar in Braunschweig einen sehr sichtbaren Sprung des Holzstocks, daher die Abdrücke, auch der Mittelstücke, aus verschiedenen Perioden herrühren werden. Einen Beweis hiervon liefert noch der Abdruck in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet zu München, unter welchem mit beweglichen Lettern gedruckt steht:
Gedrückt durch Hans Guldenmund brieffmaler zu Nürnberg.
Dieses Exemplar ist daher entschieden erst nach Dürer’s Tode abgezogen, das Papier desselben hat auch das spätere Wasserzeichen einer Lilie mit 15 Linien Entfernung der Drathstriche. Die oberen und unteren Blätter dieses Werkes sind weniger selten und man findet sie zu sehr verschiedenen Zeiten abgedruckt. Ich habe bei den spätem Abdrücken derselben in den Papieren das Wasserzeichen der Schlange, Nr. 47, ein Römisches R in einem geschweiften Schilde, das Wappen von Schrobenhausen, Nr. 15, den Reichsadler und das Wappen von Augsburg gefunden.