Die mit 3 bezeichneten Abdrücke haben das Wasserzeichen Nr. 42 oder bei einem weichen Papiere das ebenfalls spätere Wasserzeichen Nr. 44. Die unter Nr. 5 aufgeführten ein Papier mit dem Wasserzeichen Nr. 57 und 13¾ Linien Entfernung der Drathstriche. Zwischen den Abdrücken 2 bis 5 ist der Unterschied der Schärfe und Erhaltung der Platte nicht sehr bedeutend und sie scheinen in einem nicht sehr langen Zeiträume nach einander veranstaltet zu sein. Desto hervorstechender ist aber dieser Unterschied bei den Nrn. 6 bis 9.
Bei Nr. 6 auf einem festen Papier mit 11 Linien Entfernung der Drathstriche, geht der vorher bezeichnete Sprung der Holzplatte sehr sichtbar durch beide Hinterbeine. Der Einfassungsstrich ist bis auf einen neuen sichtbaren Aussprung rechts oben noch wohl erhalten.
Nr. 7 ist auf Holländischem Papier mit der großen Schellenkappe und 11¾ Linien Abstand der Drathstriche. Der Sprung ist durch alle vier Beine sichtbar und der Einfassungsstrich hat eine größere Fehlstelle von 6 Linien Breite an der linken Seite, 22 Linien von oben. Hieran sind diese in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts veranstalteten Abdrücke zu erkennen, auch wenn, wie häufig, die Schrift abgeschnitten ist.
Bartsch hat sich[45] in seinem großen Eifer darzuthun: daß Albrecht Dürer nicht selbst in Holz geschnitten habe, durch die Unterschrift dieser Holländischen Edition verleiten lassen, es für wahrscheinlich zu halten: daß Hondius die Platte dieses Rhinoceros geschnitten habe, eine Vermuthung, welche bei einem so einsichtsvollen Kenner um so mehr auffallen muß, als Hendrick Hondius bekanntlich über hundert Jahre später als Dürer lebte und arbeitete.
Die Abdrücke mit farbigen Tonplatten, Nr. 8, — welche sowohl in grüner als brauner Farbe vorkommen und, als große von unserm Meister selbst herrührende Seltenheiten, von den Liebhabern sehr gesucht und theuer bezahlt werden, sind erweislich erst später als die Ausgabe durch Hondius veranstaltet; denn der Sprung in dem Holzstock geht — wenn er nicht, wie manchmal, künstlich ausgebessert ist — durch alle vier Beine und auch durch die Schnauze des Thiers. Der Einfassungsstrich hat größere Unterbrechungen, namentlich oben, und fehlt an der rechten untern Ecke ganz, in der Breite von 12 und in der Höhe von 14 Linien; das Papier hat eine Entfernung der Drathstriche von knapp 11 Linien. Diese Clair Obscurs sind ohne Zweifel von dem Willem Janssen in Amsterdam gedruckt, welcher ganz gleiche Abdrücke von Dürer’s Portrait des Ulrich Varnbühler, B. 155, und von mehreren Holzschnitten des Heinrich Goltzius veranstaltet hat.[46]
Die schwarzen Abdrücke, Nr. 9, haben dieselben bei der vorstehenden Gattung bemerkten Fehlstellen des Holzstocks, aber ausserdem die Spuren kleiner Wurmlöcher an dem untern Schilde des Halses und eines größeren am linken Vorderbeine, ihr Papier hat einen Abstand der Drathstriche von nur 10½ Linien.
Ob übrigens die von mir bei den Abdrucks-Gattungen 2 bis 5 angenommene Priorität die völlig richtige ist, muß ich dahin gestellt sein lassen; da es mir nicht möglich gewesen ist, Abdrücke dieser vier Gattungen zu genauer Vergleichung neben einander zu haben. Die von mir beobachtete Reihenfolge ist wesentlich auf den Abweichungen der Schreibart in den Ueberschriften begründet und es ist daher immerhin möglich, daß ein von mir später bemerkter Abdruck früher als ein vor ihm stehender genommen ist. Die kleinen Beschädigungen durch den Sprung des Holzstocks sind ausserdem nicht bei allen Abdrücken derselben Gattung ganz gleich, so liegt mir von der häufiger vorkommenden Nr. 5, bei welcher man diesen Sprung in der Regel besonders bemerkt, ein Abdruck vor, auf dem derselbe kaum wahrzunehmen ist, wogegen sich in der Privatsammlung des verstorbenen Königs von Sachsen in Dresden ein Abdruck von Nr. 1 befindet, bei welchem der Riß bereits sichtbar ist.[47]
B. 137. Die Belagerung einer Stadt. 1527.
In zwei Blättern.
Dieser nicht sehr häufige Holzschnitt bei Heller[48] wohl über Gebühr gepriesen, von v. Rumohr[49] und Nagler[50] dagegen zu gering geschätzt, ist zwar augenscheinlich nicht von Dürer’s Hand geschnitten, doch liegt demselben ohne Zweifel eine Zeichnung desselben zum Grunde.
Will man auch nicht die Meinung einiger Sammler theilen, welche diese Blätter als zu dem im Jahre 1527 gedruckten Werke Dürer’s