Auffallend ist das leere Feld in Form einer Chorstuhlswand zur Seite des Redners.
Ein ganz gleiches, nur mit der Anlage einer Ranken-Einfassung, findet sich auf einer ähnlichen Federzeichnung Dürer’s in der Sammlung des Herrn Rudolph Weigel in Leipzig, und auch Prestel hat das fac-simile einer andern Zeichnung unsers Meisters mit einem genau so geformten Felde gestochen. Hier ist dasselbe aber mit einem verzierten Rande umgeben und durch ein Familienwappen ausgefüllt, wonach es scheinen möchte: daß Dürer für eine bestimmte Familie eine Folge solcher geistlicher Darstellungen zu entwerfen gehabt habe.
Die Federstriche meiner Zeichnung sind in dem vorliegenden Holzschnitt mit großer Geschicklichkeit und Treue wiedergegeben, wenn gleich der Geist und das Lebendige derselben durch die Uebertragung einige Beeinträchtigung erlitten hat; doch findet man dieses auch oft bei Holzschnitten Dürer’s, sobald er nicht selbst das Messer geführt hat, wenn man sie mit den Original-Entwürfen vergleicht. —
Hiermit schließe ich meine Bemerkungen über die Holzschnitte Dürer’s, wie solche von Bartsch in seinem peintre graveur als Originale aufgeführt sind; da ich es nicht wage, mich auf das schwierige Feld der zweifelhaften Blätter zu begeben, welche Bartsch in dem Appendix zusammengestellt hat, deren Zahl aber durch Heller ansehnlich vermehrt ist und noch fortdauernd durch eifrige Sammler, mit und ohne Grund, vervollständigt wird.
Das Sammeln dieser Blätter ist von mir nie systematisch betrieben und ihre Beschaffenheit daher auf meinen Reisen auch nicht hinlänglich berücksichtigt, da, wenn gleich einzelne schöne Kunstleistungen sich darunter befinden, die mit unserm vortrefflichen Meister gleichzeitig und desselben vollkommen würdig sind, die Mehrzahl doch nur gering an Kunstwerth ist, und dem Dürer keineswegs angehört.
Ich muß es den Sammlern, welche zur Vervollständigung ihres Dürer-Werkes, es für erforderlich halten, die sämmtlichen von Heller aufgeführten und sonst aufgefundenen zweifelhaften Blätter zusammen zu bringen, überlassen: eine Prüfung der Papiere und ihrer Wasserzeichen bei den verschiedenen Abdrücken vorzunehmen, bei denen die, wegen der Priorität der Wasserzeichen, von mir gemachten Bemerkungen immer nützliche Anhaltspunkte gewähren können. —
Die gedruckten Werke Albrecht Dürer’s.
Als Nachtrag zu meinen Bemerkungen über die Holzschnitte Dürer’s glaube ich auch, die höchst interessanten gedruckten Werke desselben berücksichtigen zu müssen, da solche so sehr reich mit Holzschnitten ausgestattet sind, von denen Bartsch nur einzelne unter Nr. 146 bis 149 in seinem peintre graveur aufgenommen hat.