Ausser der bedeutenden Zahl der in diesem 2. Abschnitte aufgeführten von Dürer selbst gearbeiteten oder von ihm veranstalteten Holzschnitte, hat unser Meister noch verschiedene andere vorbereitet gehabt, an deren Ausführung er durch Umstände oder seinen frühzeitigen Tod verhindert sein wird. Einen Beweis dafür geben mehrere noch erhaltene Federzeichnungen desselben, welche ihrer ganzen Behandlung nach nur für die Ausführung in Holzschnitt bestimmt gewesen sein können.
Eine der schönsten dieser Art war bisher im Besitz des kunstliebenden als Medailleur berühmten Professors J.D. Böhm in Wien, und ich verdanke es der besonderen Begünstigung desselben, daß solche mit einer Anzahl anderer Skizzen und Zeichnungen Dürer’s seit Kurzem in meine Sammlung übergegangen ist.
Da es zu bedauern sein würde, wenn diese unzweifelhaft von unserm Meister für die Vervielfältigung bestimmte Arbeit ferner der Oeffentlichkeit entzogen bliebe, so habe ich veranlaßt, daß solche durch den rühmlichst bekannten Xylographen Herrn Flegel in Leipzig in Holz geschnitten ist und die Freunde Dürer’scher Kunst finden einen Abdruck davon als Anlage dieses Werkchens.
Die wohl erhaltene Federzeichnung von gleicher Größe, auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, Nr. 2, ist wie Dürer bei allen Entwürfen seiner Holzschnitte zu thun pflegte,[65] von der Gegenseite genommen, so daß der schreibende Zuhörer die Feder in der linken, das Dintenfaß in der rechten Hand hält.
Alle Kreuzschraffirungen sind dabei auf das sorgfältigste vermieden und dürfte dieses die Vermuthung rechtfertigen, daß die Zeichnung einer früheren Periode unsers Meisters angehören wird, da derselbe späterhin, namentlich nach 1510, nicht mehr die Entfernung dieser Schwierigkeit für den Holzschnitt so sehr zu berücksichtigen pflegte.
Auf der Rückseite des Blattes liest man von Dürer’s Hand in abgekürzter Schrift:
»wie ein Prister einen berichtet«
und dem entspricht die Darstellung, welche auf einem erhöheten Sitze vor einem Pulte einen Geistlichen zeigt, der aus dem vor ihm aufgeschlagenen Evangelienbuche einen Vortrag hält, dessen Erleuchtung, durch den heiligen Schein und die herbeifliegende Taube bezeichnet wird.
Drei vor ihm sitzende Ordensbrüder hören mit der gespanntesten Aufmerksamkeit zu und einer von ihnen notirt das Vernommene in ein Buch.