„Wo bliebst du so lange, Rosseherre?“ fragte ich lächelnd.
Rosseherre sah mich an. „Die Zeit wird dir nicht lang geworden sein —,“ stammelte sie. Das Blut stieg ihr ins Gesicht und ihre Augen wurden dunkel und hart. Dann lächelte sie verächtlich und ihr Blick flammte auf. Sie zog etwas aus dem Mieder und warf mir meine zwei Ringe vor die Füße.
„Ich brauche deine Ringe nicht!“ stieß sie hervor und wurde bleich. „Gib sie Yvonne! Auch dein Geld will ich dir bringen —“
Ich mußte lachen. Rosseherre war eifersüchtig, seht an. Rosseherre, Rosseherre, was fällt dir ein? Dachtest du, ich würde mich auf ewig vor deinem Herzen vor Anker legen? Weißt du nicht, daß ich unterwegs bin in den großen Jagdgründen des Lebens, heute da und morgen dort, und immer in einem leichten Zelte unter den Sternen schlafe? O, Rosseherre, ich werde mir erst ein festes Haus bauen, wenn ich vor Gichtbeulen nicht mehr stehen kann und die Langeweile mich zwingt meine Memoiren zu diktieren.
Ich sah Rosseherre an und schüttelte lachend den Kopf. „Du wirst doch nicht töricht sein, Rosseherre,“ sagte ich, „die Ringe gehören dir, ich hebe sie nicht auf. Sprich auch nicht von den paar Franken, die ich dir geliehen habe. Wie sonderbar du doch bist!“
Rosseherre aber bebte vor Zorn. Sie schrie laut und wütend, aber ich verstand kein Wort, denn sie sprach Bretonisch. Schließlich schüttelte sie mich am Rock, so sehr vergaß sie sich. Poupoul kläffte und knurrte und machte sich zu meiner Verteidigung bereit.
„Höre endlich auf, was schreist du denn, so, Rosseherre!“ sagte ich barsch, und da ich sprach, wie man auf der Insel spricht, kam Rosseherre sofort zur Besinnung.
„Ich sage nichts mehr,“ fuhr sie auf französisch fort, „du kannst ihr ruhig Ketten schenken und was du willst — ihr — hohoho — mit allen Matrosen hat sie es —“
„Yvonne?“
„Ja, Yvonne!“