Ich ging und mitten in der Heide setzte ich mich auf einen Stein. Sie nahm es so heilig, sie war ein Mädchen. Sie bebte und zitterte vor ihrer Stunde. Ich werde warten, Yvonne, ich schwöre dir Geduld zu haben.

Horch! Das ist die Flut. Der Strom donnert. Horch! Ebbe. Es sind Möwen unterwegs. Der Regen prasselte über mein Dach und hoch oben stürzte heulend der Wind dahin. Ich sang. Ich ging hinaus in den Sturm und sang mit lauter Stimme, denn ich fühlte, daß ich lebte. Nebel. Er quoll durch Türe und Wände und mein Tabak wurde feucht. Creach brüllte Nächte lang. Ich ging auf und ab und mein Herz schlug, so oft Creach die Stimme erhob. Draußen antwortete ein Dampfer. Still! Er fuhr zu nahe. Ich trat vors Haus und lauschte mit verhaltenem Atem. Nun heulte er ferner. Es gab keine Gefahr mehr. In einer Nebelnacht hörte ich das Tuten eines Dampfers, der einen vollkommen falschen Kurs steuerte. Er fuhr an der falschen Seite vorüber, die gefährliche Passage de Fromveur, die alle Seeleute kennen. Er fuhr sorglos darauf los, tutete und verschwand, ohne je zu ahnen, wie nahe sein Kiel den Klippen gewesen war. Da draußen gab es Riffe wie Sensen, die nur darauf gelauert hatten ihn der Länge nach aufzuschlitzen.

Wenn die Sonne aufging und all die Halme und Gräser der Heide streifte, so sah die Insel wie bereift aus. Die Vogelzüge kamen aus dem Norden, von Irland und England, und zogen keilförmig über die Insel dahin und verschwanden blitzschnell hinter dem Horizont. Dahinterher kamen stets Trüppchen von Nachzüglern — mochten sie mitkommen oder nicht, es gab hier keine Rücksichten. In den schwarzen Nächten aber sausten die Schwärme den Leuchtfeuern entgegen, die vor ihnen aufblitzten, und ehe der schwirrende Keil schwenken konnte, hatten sich Hunderte von Vögeln die Schädel eingerannt. Die ganze Insel nährte sich in dieser Zeit von Vögeln. Auch ich. Man brauchte nur nach Creach zu gehen und sie aufzulesen. Sie lagen auf der Heide, in den Klippen, überall. Ihre Schnäbel standen ein wenig offen, als hätten sie im Sturz geschrien, runde, graue Kapseln wölbten sich über ihre kleinen Augen, die feucht blinkten. Und wie zart sich die Knochen unter den flaumigen Federn anfühlten!

Poupoul hatte gute Tage.

XXX

„Guten Tag, Mathieu! Guten Tag, L’honneur, Petitjean! Guten Tag, alle zusammen!“

„Wir sind herübergekommen zum Fischen, wir wollten sehen, wie es dir geht.“

Sie hatten mich nicht vergessen! Ja, sie waren sogar bis nach Sturmvilla gewandert.

„Nun, ihr braucht ja keine Gläser, so vornehm seid ihr nicht — ah, bei allen Teufeln, Petitjean, du säufst ja die ganze Flasche aus! Sind wir fertig? Erzählt was es Neues gibt! Ihr Hunde, jetzt fällt es mir ein, ihr habt uns ja die drei Russen weggeschnappt, ihr Kerle! Kedril und ich, wir sind fast hin geworden auf dem Meer!“

Der Morgen war frisch und klar. Wie ein einziger tadellos reiner Block von Kristall lag die Luft auf dem Meer. Das Meer leuchtete stahlblau und strahlte einen kühnen Glanz aus und eine blitzende Helle, bebend von intensiven Vibrationen, die das Herz leicht und heiter machten. Am Horizont floß ein Streifen von sattem Ultramarin dahin. Man konnte ihn nicht ohne Verwunderung betrachten. Die nassen Riffe glitzerten in der Sonne. Am Hafen unten standen die Fischer, laut und fröhlich, und warteten auf eine Brise. Ihre frischgewaschenen Gesichter leuchteten rot in der Sonne. Guten Morgen! Guten Morgen allerseits!