Yann war ein Tausendsasa. Er war Schneider, Schuster, Tischler, Schlosser, Koch, was war er nicht, er konnte Strümpfe stricken, Netze knüpfen und flicken, mit einem Stück Draht, das er auf der Straße fand, öffnete er dir jedes Schloß. Dieser Teufelskerl sprach Arabisch, Malaiisch, Chinesisch, was nicht, abgesehen von jenen lumpigen Sprachen wie Spanisch, Portugiesisch, Englisch usw. Von all diesen Sprachen wußte er nur fünf Wörter. Aber damit konnte er alles sagen, was nötig war die Bedürfnisse eines Seemannes zu decken, der an Land geht. Obendrein wußte er von allen Sprachen das gemeinste Schimpfwort, das er anwandte, wenn ihn die Kenntnisse verließen oder ihm etwas gegen den Strich ging. Sobald er den Fuß auf eine ferne Küste setzte, schleuderte er dem Gewürm dieses kapitale Schimpfwort entgegen. Ah, ein Eingeweihter, kein Neuling! Die Preise sanken rapid, denn Yann stieß bei jedem, auch dem demütigsten Angebot dasselbe ungeheure Schimpfwort hervor, und das gleiche Wort bekam der Glückliche an den Kopf, dem er etwas abkaufte.
So war Yann! Er war vollgestopft mit verfänglichen Scherzfragen und mit zwölf Streichhölzern konnte er schädelspaltende Probleme bewältigen. Aus einer einzigen Spielkarte konnte er etwas so unerhört Unanständiges schneiden, daß einem das Wasser aus den Augen sprang. Gib Yann zum Beispiel dein Taschenmesser. Er nimmt es in die Hand wie ein Numismatiker eine seltene Münze. Messingfalse, gut, sie rosten nicht. Er stößt es in Noels Ladentisch, wippt daran, er schneidet eine tiefe Kerbe in Noels Tisch: der Stahl ist gut, überhaupt ein hübsches Messer! Er stellt beide Klingen senkrecht zum Griff — wenn nun einer Lust hat, ich stelle mich gegen die Wand, heran — wupp! zwei Stiche auf einmal. Yann streckt die Klingen. So! Wenn nun hinten einer kommt und vorn — eins, zwei! — man schwingt den Arm, der hinten erhält das Messer in den Bauch, der vorn in die Kehle. Ein hübsches Messer, merci!
Und doch war Yann ein Gemüt. Es kam wohl vor, daß er seinen Schiffsjungen mit der Faust ins Gesicht schlug, aber er gab ihm doch sofort zehn Sou, als die Mutter dieses Schiffsjungen erkrankte. Er konnte mit Tränen in den Augen schwärmen von einem Weinchen, das er vor sechs Jahren irgendwo getrunken hatte, von Mädchen, die er genossen hatte — ah, so etwas, süß, saftig, und welch eine liebliche Stimme — ! —
Da stand er nun, duftend und herausgeputzt, vom Kopf bis zu den Zehen eine einzige ungeheure Überlegenheit und Verachtung, und sein loses Maul stand nicht einen Augenblick still.
„He, dich haben sie wohl heute aus dem Friedhof freigelassen, Großmütterchen?“ sagte er zu einer verschrumpften Greisin mit wachsgelbem Gesicht. Ein Mädchen, das guter Hoffnung war, grüßte er überaus höflich: „Bonjour, messieurs-dames!“ Für jeden hatte er eine kleine Aufmerksamkeit auf Lager. Doch man nahm es ihm weiter nicht übel und zahlte ihm mit gleicher Münze heim. Aber Yann behielt stets das letzte Wort.
„Ha! ha! ha!“ Und mit einem schallenden Lachen machte er dem niedergeschmetterten Gegner den Garaus.
Nun aber war seine Stunde gekommen. Er räusperte sich, was zum Teufel steckt mir doch in der Kehle? „Vorwärts, gehen wir hinein. Ein Gläschen, he!“
Der Reigen gefiel mir, ich blieb. Ich stand und sah Rosseherre an.
Yann lachte. „Wie kann dir das doch gefallen! Das sind ja Wilde!“ sagte er verächtlich. „Glaube nicht, daß das Franzosen sind! He! Nein, das sind Leute aus der Sintflut, ohne jede Zivilisation und Bildung, sie sterben aus. Sieh sie doch an — bumba, bumba!“ Und Yann lachte rasend um mir seinen ungleich höheren Kulturzustand darzutun. Dabei war er aus Roskoff, Yann hieß er und war selbst ein Bretone von oben bis unten, o du Schurke!
„Kennst du Rosseherre?“ fragte ich ihn. „Rosseherre? Natürlich kenne ich sie!“ Yann sah an mir vorbei. Sonst sagte er nichts. Hm! „Nun marsch!“ Er wollte trinken und da gab es kein Sträuben bei ihm.