Die See sah wenig ermutigend aus. Von allen Seiten stürmte sie gegen uns an. Wir waren verloren in den Wogen wie die Laus im Gesäusel der Blätter.
Ich kauerte mich in einen Winkel, zog die Knie an und blies mit aller Kraft in meine Flöte. Der Sturm riß in meinen Haaren und verbog mir die Nase im Gesicht.
Freut eu—ich des Lebens . . .
Meine Finger wurden schwach. „Hehe — die Flöte geht nicht mehr —!“
Und wieder brüllten die Steuerleute.
„Du vielgeliebtes Mädchen am fernen, fernen Strand —“
Ich hörte sie in weiter Ferne, das Blut rauschte in meinen Ohren. Ich fühlte, wie ich bleicher und bleicher wurde, aber ich biß die Zähne zusammen: ich werde mich nicht ergeben —! Der kalte Schweiß brach mir aus den Schläfen, das Meer floß in einem grauen Strudel zusammen, der steiler und steiler wurde.
Gesichter tauchten aus dem kreisenden Strudel auf, es wimmelte von ekelhaften Fratzen und Larven unter mir im Meer. Hände griffen nach mir. Da erhielt ich einen Schlag in die Magengtube, daß es mir dunkel vor den Augen wurde. Eiserne Finger schraubten sich um meine Schläfen. Aber dann — während mich ein Dutzend Hände an den Haaren festhielt — schob sich ein schleimiger, spinnenbeiniger Finger durch meine Zähne in den Mund, den Schlund hinab, bis zum Magen. O, hoho! Ich schüttelte mich. Da zerrten die Hände an meinen Haaren, daß sie meterlang wurden — ich war steif und kraftlos am ganzen Körper — und die Hände zerrten mich über Bord. Sie rissen mich in die Tiefe und schleiften mich an den Haaren durch das nachtschwarze Meer. Blitzschnell, meilenweit. Plötzlich ließen sie mich fahren und mein Schädel krachte gegen den Grund. Ich rang nach Luft und stieg kreiselnd empor. Sollte es denn kein Ende haben — noch eine Sekunde und ich kann nicht mehr. Da — ich war oben und schöpfte Luft. Ich war immer noch an Bord des „Kirchturms“ und hörte die Steuerleute wieder brüllen.
„Hehe!“ rief mich Mathieu an. „Wie geht es?“
„Vorzüglich,“ schrie ich und sah ihm mit verglasten Augen ins Gesicht.