Da geschah etwas ganz Außerordentliches, L’honneur am Steuer wandte sich plötzlich ab und begann zu spucken.
„L’honneur!“ schrien wir alle und lachten laut.
L’honneur wandte uns das grüne Gesicht zu. „Ha! O, Hölle, das ist mir seit sechs Jahren nicht mehr passiert, L’honneur!“
Der Schiffsjunge aber lag flach auf dem Deck, die Arme links und rechts ausgestreckt und bei jeder Bewegung des „Kirchturms“ wackelte sein Lausbubengesicht hin und her. Er sah wie tot aus.
Auch ich hatte Unglück. Eine Schaufel Spritzwasser war ausgerechnet in meine linke Hosentasche gestürzt und hatte mir den Tabak durchnäßt. Also mußte ich hinunter in die Kajüte, Kohlen anfachen, den Tabak trocknen. Yann war eben aufgestanden. Er saß auf der Bank, den Blechtopf in den Händen, und sah mich mit leeren. Augen an.
Yann schwieg.
Dann hörten wir einen großen Dampfer tuten. Er brüllte hinter unserem Rauchwall, der mit uns wanderte, so schnell wir auch fuhren, bald schrumpfte und bald sich weitete. Wir legten die Ohren über die Reling und sprachen kein Wort. Das surrende Tuten kam näher, aber es war unmöglich die Richtung zu bestimmen. Plötzlich aber warf sich Mathieu gegen das Steuer und brüllte: Changez les voiles! Wir heulten zur Antwort und gingen an die Arbeit. Mathieu hatte zuerst den Bug des Dampfers gesehen und wagte es nicht ihn zu kreuzen. Der Dampfer zog vorüber. Er hatte vier braune Schornsteine und vier Maste und ein dreistöckiges langes Verdeckgebäude. Ein Lloyddampfer. Die Sturzseen schlugen über sein Vorderdeck, aber er lag vollkommen ruhig. Die Brücke war mit Segeltuch abgedeckt und keine Seele war an Bord zu sehen. Wie tot sah er aus, nur seine Schornsteine qualmten. Aber horch! Horch doch! — Musik! Wir sahen einander an und lächelten. Diese Lumpen saßen bei der Tafel und die Kapelle konzertierte! Er durchdrang den Rauchwall und verschwand. Wir schnupperten in der Luft. Das war sein Rauch. „L’honneur!“
Gegen fünf Uhr drehte sich der Wind um einige Striche und raste nun wie ein Orkan daher. Wir aber waren guter Dinge.
Petitjean und Yann lagen am Steuer, die Sturmkappen tief über die nassen, zerzausten Gesichter gezogen und sangen ein bretonisches Lied. Sie brüllten, daß ihnen die Augen aus dem Kopf traten.