Wie konnte ich denn über Bord gehen, da ich so nahe an der Reling lag! Es begann zu regnen und ich zog einen Segelfetzen über mich; der Regen floß über mein Gesicht, er war lauwarm. Die Blitze blendeten durch meine Lider hindurch und leuchteten rings durch mein Gehirn. Ich schlief wieder.

Als ich bei einem Gefühl der Übelkeit erwachte, war es Morgen. Der „Kirchturm“ rollte, drückte sich in die Wogen und stieg. Die beiden kleinen Nachen im Schlepptau folgten ihm hastig und mit ängstlichen Sprüngen, wie zwei junge Hunde der Mutter. Das Meer war grau und ein grauer, feiner Regen fegte schräg darüber hin. Wir waren von einem kreisrunden Wall von Rauch eingeschlossen und konnten keine zweihundert Meter weit sehen.

An Deck waren sie geschäftig.

„Wohin fahren wir?“

„Nach England. Es wird schlimme See geben, L’honneur! Trinke deinen Kaffee drunten.“

Wohlan, nach England! Ich kletterte in die Kajüte hinab, es gab hier keine Treppe, man mußte einen Klimmzug machen und seine Beine geschickt durch die Luke schwingen. Ich trat auf Fleisch. Das war Yann, der sich auf dem Boden zusammengeringelt hatte und schlief. Poupoul lehnte mit dem Rücken gegen ihn und streckte die Pfoten in die Höhe. Nur Petitjean saß auf der schmalen Holzbank und trank aus dem Blechtopf.

„Er hat die ganze Nacht nicht geschlafen, der kleine Kapitän!“ flüsterte er, nachdem wir uns guten Morgen gesagt hatten. „Was hat er doch?“ Petitjean schob mir den Blechtopf hin. Ich trank rasch, denn hier unten gefiel es mir nicht.

Die Kajüte war winzig, eine Kiste, in der man nicht aufrecht stehen konnte. In der Ecke stand eine kleine bunte Madonnenstatue und an die Wand war in verschnörkelten Buchstaben gemalt: Dieu protège le Clocher du village et son équipage. Darunter hatte L’honneur geschrieben: Gott beschütze die Trunkenbolde.

Nun, ich hatte genug und turnte an Deck. Ein Dreimaster ritt durch den Dunst, erdrückt von seinen fünfzig schweren Segeln. Er profitierte vom Wind.

Ja, es gab schlimme See. Die raschen Wasserhügel bedeckten sich mit den bekannten weißen Schnüren und die Schaumkronen brachen nicht mehr über, sondern stiegen gezackt in die Höhe und der Wind zerriß sie wie Fahnen. In unseren Seilen tremulierte der Wind in den höchsten Lagen. Die toten Fische rutschten über das triefende Deck und der mousse, blaß und krank, sammelte sie in einen Korb. Dampfer tuteten, heulten und winselten da draußen und zuweilen erschien der trübe Schatten eines Dampfers innerhalb unseres Rauchwalls, um rasch wieder zu verschwinden.