„Ah, da bist du!“

Wir zechten bis spät in die Nacht. Dann nahmen wir Abschied. Ha, was ist das? Das Meer war schwarz und schwarz war der Himmel. Am Horizont aber atmete ein Blinkfeuer, weiß, weiß, rot, und eine Lichtwindmühle warf ihre Flügel in die Höhe. Das waren Stiff und Creach.

„Lebt wohl, Kameraden! Und wenn ihr hinüberkommt nach Ösa, grüßt mir Amorik und seine Tochter, Yann und Jean Louis! Und vergeßt mir nicht Rosseherre zu grüßen! Grüßt alle, alle!“

Zwei Tage später betrat ich in Cherbourg den großen Zwanzigtausendtonnen-Dampfer. Die Sirene tutete, die Kapelle spielte auf dem Promenadedeck, en route!

Ich war in jämmerlicher seelischer Verfassung. Gleich am Anfang passierte mir das Mißgeschick den Obersteward durch meine Stimme zu beleidigen. Ja, glauben Sie, verehrtester Herr, daß ich erst drei rohe Eier trinke, bevor ich es wage mich einer so hochstehenden Persönlichkeit zu nähern? Ich nahm den Mann ins Auge. Wie sollte ich es anstellen, diesen Gesandtschaftsattaché um eine anständige Kabine zu bitten? Glatt geleckt von der Zunge der Kultur stand er vor mir. Er kam mir schrecklich bekannt vor. Ich bertillonierte seinen Schädel. Ja, ich hatte ihn schon gesehen. Tausendmal und allerorts. Es war das europäische Gesicht! Nichts anderes.

Ich sprach kein Wort mehr. Ich nahm ein Fünffrankenstück und ließ es in seine europäische Hand gleiten. Er verstand augenblicklich und verbeugte sich: mögen der Herr getrost die heilige Ruhe dieses eleganten Dampfkarussells durch seine Stimme entweihen —

In der Kabine prüfte ich den Teppich mit den Fingern und auch den Treppenbelag untersuchte ich verstohlen: Gummi! Yann, wo sind wir? Elektrische Brennscheren, Dampfheizung, Blumenladen, Druckerei, Hotel à la Riz, he, ich war von der Peripherie der Zivilisation direkt ins kochende Zentrum gesprungen. Der Dampfer war still wie eine Kirche, nur da und dort hörte man einen fürchterlichen Brüllhusten: das war ich.

Ich stieg hinauf aufs Sonnendeck und lächelte verächtlich: ihr kleinstes Rettungsboot war größer als das größte Boot, das wir auf der Insel hatten. Es wehte. Nordwestnord, Windstärke acht, grobe See! Aber der Koloß regte sich nicht. Er fuhr achtzehn Knoten in der Stunde und doch schien er vollkommen still zu stehen und nur die schmalen Korridore wanderten. Das Meer lag tief unten, unscheinbar und nichtig. Wir waren Durchreisende, nichts sonst. Es wurde Abend und die Feuer des Kanals zuckten und wirbelten. Eine elende Fischerbarke zog an uns vorbei. Sie schlingerte und schlug aus und stieg.

„Hallo!“ schrie ich und schwenkte die Mütze.

Aber sie beachteten mich gar nicht.