Und nun überkam mich die Erkenntnis, die nackte, schreckliche Erkenntnis: ich gehörte nicht mehr dazu! Die Wogen, der Wind, das ganze große Meer — ich gehörte nicht mehr dazu —

Ich ging in den Rauchsalon, legte mich in einen Klubsessel und nahm einen Whisky und noch einen. Dann kaufte ich die ganze Flasche. Unsere zwei Gestirne glühten jetzt über der schwarzen Insel im lauten Meer —

Warum? Warum kamst du heraus aufs Meer?

Da lauschte ich: hörst du die Maschinen pumpen? Durch die Vibration hindurch, durch all die Stockwerke und Korridore, hindurch, hörst du das große Stahlherz pochen? Das war Europas Herz, Europas, woher ich kam! Und plötzlich strömte die ruhige Kraft der Maschinen, die da drunten unter mir sangen, in mich über und erfüllte mich mit Stärke und unermeßlicher Zuversicht. Ich goß mein Glas voll und summte mir ein Lied.

„Sei ruhig, mein Herz,“ sagte ich zu meinem Herzen, „die Jagdgründe des Lebens sind groß. Du wirst sie alle wiederfinden, Yann, Yvonne, Rosseherre und Jean Louis, alle! Und auch Poupoul wirst du wiederfinden, nichts ist unersetzlich!“

In der Nacht aber erwachte ich plötzlich. Der Dampfer knarrte wie Leder knarrt. Ich lauschte. Da draußen war der Wind, das Meer, es waren Stimmen da draußen und ich verstand sie. Mein Herz krampfte sich zusammen.

„Lebt wohl, ihr Geliebten,“ sagte ich und lauschte auf die Stimmen, „lebt wohl, ich komme wieder!“

Ende

Werke von Bernhard Kellermann

Yester und Li