Der Tor
Roman. 20. Auflage. Geheftet 5 Mark, geb. 6,50 Mark.
Hier sind Menschen, eine Fülle Menschen, nicht nur scharf voneinander geschieden und als Einzelgestalten deutlich in der Phantasie, sondern in Bewegung, im Zusammensein, im Gespräch in einer Vielzahl von Aktionen. Ich sehe alle, die im Eisenbahnkupee den Selbstmord des Dienstmädchens erörtern — wie hört man das Laute ihrer Reden, die Heftigkeit ihrer Diskussion und Ueberzeugungssucht, das Rasseln und Knattern des Zuges übertönen! Der Liederkranzball, den fünf Kapitel umschließen, bleibt wie ein Erlebtes unverlöschlich in der Erinnerung: hier ist ein solcher Sturm, ein solches Getöse, ein solches Ineinanderspielen von Tätigkeiten und Gesprächen, von Trunk, Spiel, Streit und Hohn, ein solches Chaos bewegter Menschlichkeiten, aus dem die Gestalten des Helden und seiner Geliebten leuchtend hervortreten, ein solches Auf- und Abstürmen des lebendigsten Lebens, daß man im Lesen den Atem anhält, von der Fülle und Intensität einer ganz nahen Wirklichkeit bis an das eigene Fühlen wunderbar beherrscht . . . Nicht Vergangenes erzählt dieser Dichter wie alle vor und neben ihm: er trägt die Gegenwart. Sein Stil, knapp, rasch, ungeduldig, reißt hin. Kurze Sätze jagen hintereinander her, überstürzen sich, erleuchten und verdunkeln einander — dann wieder langsam hintereinanderschreitend, lassen sie der Einbildungskraft Raum, das Bild, das sie halten, zu betrachten, das Gefühl, die unsichtbare Gottheit, der sie dienen, zu begreifen. Und wie sie dem Gefühl dienen! Jedes Wort, jeder Ausruf glaubt sich stark genug, das Göttliche durch sich offenbaren zu können, und ist es doch so gering, daß alles nur hingestammelt wird, bebend, stehend, erstickt, überwältigt. Alles ist da, ist Leben, ist Augenblick. Geschehnis und Gedanke gehen ineinander über, eins aus dem andern hervor. Eh man sich’s versieht, biegt der Weg um: neue Landschaft erschließt sich dem Staunenden — man muß das Buch für Augenblicke sinken lassen, um sich zurückfinden zu können.
(Neue Freie Presse, Wien.)
Der Tunnel
Roman. 140. Auflage. Geh. 3,50 Mark, geb. 5 Mark.
Voll frappanter Lebendigkeit sitzt diese amerikanische, über und über vergoldete Menschheit da, diese Männer, die nur in Ziffern denken, diese schönen, verwöhnten Frauen, die sich in luxuriösen Spielereiträumen wiegen. Von einem atemlosen Tempo wird man durch die vierhundert Seiten dieses Buches dahingefegt. Man ist in ihnen wie in einem Expreßzug. Umgeben und durchschüttert von dem Sausen vorwärts jagender Eile. Eingehüllt von dem Dröhnen einer metallisch donnernden Kraft. In diesem Buch rollt der Donner ungeheuerer moderner Maschinen. Weite und Welthorizonte sind in ihm. Aber alles wirbelt und tanzt und dreht sich, und man sieht nur große Konturen, sieht nur Massen, zusammengeballt und mit fortgerissen in der rasenden Bewegung dieser Zeit. Man spürt das unerhörte Tempo der Gegenwart, der heutigen Epoche, während man dieses Buch liest. Man spürt gleichsam die Erde ringsum vibrieren, als erbebe sie bis in ihren Grund unter der zugreifenden Gewalt des Menschen. Man spürt das Fiebern, Keuchen, Wüten und geniale Delirieren der unermeßlichen Arbeit, die rund um uns her verrichtet wird. Und das ist zuerst ein beklemmendes Gefühl, dann aber ein befreiendes Glücksbewußtsein. Man wird niedergedrückt und gleich darauf angefeuert, hoch emporgehoben und wie berauscht von Mut, von Entschlußfreude und Zuversicht und von Seligkeit, dieses schäumende Leben heute mitleben zu dürfen. Man wird gewissermaßen lebendiger, indem man dieses Buch liest. Das aber scheint mir der edelste Gehalt dieser Dichtung zu sein. Das ist es ja, was wir überhaupt brauchen: Bücher, die unser Daseinsgefühl steigern, Kenntnis, Zutrauen, Beziehung und Wille zur Welt in uns vervielfältigen, mit einem Wort: Bücher, die uns lebendiger machen.
(Neue Freie Presse, Wien.)
Der Krieg im Westen
Kriegsberichte. 20. Auflage. Geheftet 2 Mark, geb. 3,25 Mark.