Daß der Dichter des „Tunnel“ ein glänzender Kriegsberichterstatter sein würde, war vorauszusehen. Geist für große Zwecke, Herz für den unbesieglichen menschlichen Wagemut, Sinn für das Technische, das alles bewies er, in einer unaufhaltsam vorwärts dringenden Darstellung, schon durch seinen Roman. Nun im Kriege hatte er eine Wirklichkeit vor sich, so ungeheuer und phantastisch und mit jedem Atemzug so tief und schicksalsvoll ins Menschliche eindringend, daß jede Phantasie daneben erblassen muß und daß noch wildere Projekte als die eines Tunnels von Amerika nach Europa bedeutungslos würden. Vielleicht den schwersten Teil von allen unseren Kämpfen hat Kellermann miterleben dürfen, ein Zeuge mit wachsten Sinnen und angespannten, vibrierenden Nerven, immer mit allen Fasern mitten darin in dem, was er sah. Die Namen Arras, Souchez, Lorettohöhe, Argonnen, La Bassee sind es vornehmlich, die aus seinen Berichten klingen. Wer es bei Kellermann liest, ist mit dabei. Er läßt uns bis zur unmittelbaren Erschütterung die Schlacht sehen und hören. Ohne Lyrik, nur mit seiner aufs letzte gehenden Intensität singt er ein hohes Lied des deutschen Krieges, des Todesmutes und der Aufopferung. Ein Dichter mit der größten Leidenschaft des Auges und der Nerven hat diese Berichte geschrieben; sie werden den Tag überdauern und zu den Dokumenten der Tatsachen, die die Geschichte sammelt, das Dokument der Stimmung fügen.
Druck von Paß & Garleb G. m. b. H., Berlin
Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
- ... da drunten in der Tiefe zwischen den Schaumkappen.“ ...
... da drunten in der Tiefe zwischen den [Schaumkappen.] ... - ... Himmel war voller Schmutz nnd Unrat und trübe ...
... Himmel war voller Schmutz [und] Unrat und trübe ...