„Vielleicht werde ich dir einmal einen meiner Ringe schenken, Rosseherre,“ sagte ich ihr ins Ohr. Wie hübsch ihre kleine weiße Haube war, und ihr Mieder war mit einem halben Hundert farbiger Nadeln zugesteckt.

Plötzlich aber tanzte etwas durch die Luft, tanzte und tanzte mir mitten auf die Stirn. Ein Weinglas. Ich bekam einen kleinen Riß in die Haut und blutete. Ich richtete mich auf. Im Falle es auf der Insel Sitte sein sollte mit Gläsern zu werfen, diese Sitte machte ich nicht mit, nein, merci!

„Wer hat geworfen?“ schrie ich. Rosseherre zupfte mich am Arm und ich verstand.

Es war Yann. Er lachte, und in seinen hellblauen Kinderäuglein sah ich gerade den letzten Funken Zorn erlöschen.

Deine letzte Stunde ist gekommen, kleiner Kapitän. Alle Kalenderheiligen können dich nicht mehr retten!

„Hehe!“ lachte Yann und wand sich. „Du wirst doch nicht! Hehehe, ihr sollt endlich aufhören zu tanzen.“

„Er blutet ja,“ sagte Rosseherre und reichte mir das kleine Tuch, das ich ihr geschenkt hatte.

Das beruhigte mich augenblicklich. Yann genoß ja mildernde Umstände, das Leben sollte ihm noch einmal geschenkt sein. Meine gute Stimmung kehrte zurück, denn war es nicht rührend, da stand Rosseherre mit dem Tuch in der Hand. Meine Seele, über die eben ein Taifun dahinwirbelte, lag spiegelglatt da. Ich lachte. Ja, man muß lachen über ein Rindvieh deines Kalibers, Yann! Ich bedauerte ihn sogar ein wenig. Er hatte zwei kolossale strategische Fehler gemacht. Erstens hatte er mir durch den voreilig abgefeuerten Schuß seine Stellung verraten, und zweitens hatte er Rosseherre gezeigt, daß er eifersüchtig war. Und das war der schlimmere Fehler.

Yann stand auf und legte die Hand feierlich aufs Herz. Seine treuen Kinderaugen standen voller Tränen. „Ich wollte ja nur ein wenig werfen, ein wenig, mein Freund.“

Ich reichte ihm die Hand. Auch ich hatte Tränen in den Augen. Wir umarmten und küßten uns wie es sich gehört, und somit war die Sache erledigt.