Da hielt Poupoul an. Er stellte sich auf die Hinterfüße und legte mir die Pfoten auf die Schultern und kläffte. Ich umarmte und küßte ihn: „Poupoul, Seele, nun da wir beide Hunde sind!“
Und Poupoul leckte mit seiner saugenden Zunge mein Gesicht von unten bis oben ab. Aber er ging nicht weiter. Da bemerkte ich, daß wir vor einem Abgrund abgestoppt hatten: das war die Schlucht, die sie Poupons Schlucht nannten.
Meine Stirn wurde eisigkalt. Ich schwang die Zunge zwischen den Zähnen und dachte angestrengt nach. Lange. Ja! Weshalb sollte ich eigentlich auf allen vieren kriechen? Das war es. Ich stand auf. Aber da entglitt die Insel unter meinen Füßen wie eine Drehscheibe und ich verwandelte mich wieder in einen Vierfüßler. Dagegen war nichts zu tun. Ich hatte die Durchschlagskraft von Chikels Getränken unterschätzt, das war alles. Im übrigen, gingen nicht meine Vorfahren ebenfalls auf allen vieren, als sie noch der Einfachheit halber Haare trugen? Vielleicht würde es mir bei einiger Propaganda gelingen, diese Art von Fortbewegung wieder in Mode zu bringen? Die Menschen waren ja für jede Neuheit zu haben. Wie? En route, Poupoul!
Als ich den Mönch passierte, der dastand und den Sauriern predigte, erfaßte mich eine seelische Erschütterung. Ich sagte: „Ich nahe mich in Ehrfurcht, auf den Knien, Hochwürdiger.“ Aber der Mönch holte mit dem Arm aus und schmetterte mich zu Boden. Lange lag ich leblos und Poupoul stellte verzweifelte Wiederbelebungsversuche an.
Wie lange brauchten wir, Poupoul, bis wir nach Hause kamen? Aber schließlich lag ich auf dem Bett. Da kam einer von den Sauriern auf der Heide herein, ergriff das Bett mit dem Rüssel und schleuderte es hoch in die Luft. Es tanzte und wirbelte herab zur Erde, wo es krachend aufschlug. Ich erwachte. Aber da sauste ein brennendroter Komet heran und zerplatzte vor meinem Gesicht. Hehehe! Zweitausend Grillen saßen in meinem Kopf und schrillten: gib mir doch, gib mir doch — da zog mich die Melodie langsam im Kreise und ich schlief ein.
Doch ich fand keine Ruhe. Mein Blut kochte. Der Schweiß rann in Strömen über mein Gesicht. Ich stand auf. Die Türe war offen. Es war kühl, ja bei Gott, das war eine Nacht wie ein kühles Leintuch. Ich ging hinaus und fühlte wie mein Kopf kühl und klar wurde. Das Mondlicht lag auf der Heide, dick wie Schnee, und zwischen den Gräsern schwebten zarte, silberne Lichtgespinste, die zerflossen, wenn man weiter ging. Ich stieg hinab zum Meer.
Es lag wie flüssiges Silber, bebte und flimmerte, in der Nähe aber war es schwarz und glatt wie Pech. Es atmete verstohlen wie ein Dieb im Versteck und bei jedem verstohlenen Atemzug ringelte sich eine silberne Schlange im Sand. Meine Sohlen glühten, ich watete hinein und meine Füße wühlten in gleißendem Silber. Das Silber stieg mir bis an die Brust, an das Kinn — ah, nun berührte es meine Lider, es schlug über mir zusammen. Nun war es dunkel um mich her, ich aber gleißte von oben bis unten. Wie ein schimmerndes Gespenst bewegte ich mich im schwarzen Meer. Silberne Perlen stiegen unter meinen Sohlen auf. Ich nieste, und ich nieste Silber, einen Sprühregen feiner silberner Tropfen, die rasch in die Höhe stiegen. Ich blickte nach oben. Dort lag das Silber wie eine dicke Schicht. All die schweren Silberkugeln, die meine Schritte aufrührten, tanzten blitzschnell in die Höhe und vereinigten sich mit ihr.
„Das ist das Mondlicht auf dem Meere,“ sagte ich und ging weiter. Wie wunderbar ging es sich doch auf dem Grund des Meeres!
War vorhin Lärm gewesen? Nein. Aber doch war es jetzt tausendmal stiller. Solch eine Stille! Ich blieb stehen und lauschte. Diese Stille ergriff mich. Da stand ich auf dem Grund des Meeres, den Kopf geneigt, und lauschte und war glücklich. „Das ist das Nirwana!“ sagte ich und nickte. „Da sind wir nun —“
Lächelnd ging ich weiter. Es ging über endlose Dünen, Sand, Sand, mein Fuß sank ein. Das Meer war schwarzgrün wie die Urwälder, in die keine Sonne dringt. Dann durchwanderte ich einen Wald hoher geisterhafter Eisblumen. Wie bleiche Flammen standen sie und rührten sich nicht. Plötzlich aber schwankten sie, teilten sich und ich sah zwei große runde Fenster vor mir glänzen. Etwas mahlte, und nun sah ich, daß die großen runden Fenster die Augen eines Ungetüms von einem Fisch waren, der mich neugierig anstarrte und die Kiefer hin- und herschob. Hehe! Ich schnippte mit den Fingern. Das Ungetüm spreizte seine Rückenflosse, manöverierte und zog sich zurück.