Der Wald der Eisblumen war zu Ende und ich stand wieder vor einer endlosen Sandebene.
Ich suchte etwas. Was, im Namen Gottes, suchte ich doch? Da stieß ich an etwas Hartes. Es war eine kleine Schiffskanone, die im Sande lag. Sie war dick mit Grünspan bedeckt, ich pickte daran, siehe da, ganze Stücke ließen sich abbrechen. Ich ging weiter. Was suchte ich doch hier? Ich schüttelte den Kopf, ich wußte es nicht. Im Sande lag ein kleiner toter Fisch. Ich sah ihn lange an. Geheimnisvoll lag er da und sein weißer Bauch schien mir zu sagen, daß er lange auf mich gewartet habe, zu lange. Ich grub ein kleines Loch, bettete den Fisch hinein, wie es sich gehört, und schüttete Sand darüber. Oben auf das kleine Grab legte ich eine Muschel. Alles mußte seine Ordnung haben.
Dann ging ich wieder. Unruhe ergriff mich. Ich blickte um mich, ich sah in die Höhe. Ringsum war das dunkle unendliche Meer. Und plötzlich packte mich eine fürchterliche Angst, weil ich hier unten im großen Meer irrte, klein wie ein Sandkorn, und nicht wußte, warum. Ich fing an zu laufen. Das Grauen jagte mich. Die Hände ausgestreckt, mit vor Entsetzen wehenden Haaren stürzte ich durchs Meer dahin und schrie.
Plötzlich aber hielt ich inne und staunte und wurde ganz ruhig im Herzen: vor mir lag ein Wrack, grünlichgrau wie das Meer selbst.
Es war ein haushohes altes Kauffahrteischiff, bauchig, mit einer Flucht viereckiger Luken, plumpen Verdeckbauten und zersplitterten Maststumpen. Von oben bis unten war es mit einer schleimigen Lehmschicht überzogen und grüne Moosbärte hingen überall herab. Neugierig ging ich um das Wrack herum. Am Bug war eine verstümmelte Holzfigur, am Heck stand der Name: Maria A. D. 1730.
Da sah ich oben eine graue Gestalt, die sich über die Reling beugte, und mich anrief: „Hallo, bist du hier, alter Leichenschänder?“ Und der Mann lachte.
Am Lachen erkannte ich ihn. Es war Kerhuel, ein Fischer, der vor einigen Wochen mit zwei anderen ertrunken war.
„Ah, Kerhuel, du bist es!“
„Komm an Bord! Hast du Tabak bei dir? Hier ist die Leiter, Achtung!“ Eine Strickleiter hüpfte herab.
Ich geriet in große Erregung. „Ich habe Tabak, Kerhuel!“ rief ich und stieg rasch an der schleimigen Wand des Wracks empor.