Ich antwortete ihr nicht. Ich war gelaufen durch Tangwälder, Wüsten und über Wurzelberge und nun war sie da. Ich stieß einen wilden Schrei aus, ergriff sie und hob sie hoch über den Kopf empor. Dann begann ich zu laufen. Ich rannte die schmale Treppe hinauf aufs Achterdeck, um die Taubündel herum, hinunter, an der Reling entlang, hinauf aufs Vorderdeck. Ich lief wie ein Teufel, und hinter mir her tobte die wilde Jagd. Rosseherre hielt sich an meinen Haaren fest und stieß einen durchdringenden jauchzenden Schrei aus. Ich sprang mit ihr in eine Luke hinein, kletterte blitzschnell die steilen Stufen hinab und eilte durch einen schmalen Gang. Ein Schwarm aufgescheuchter winziger Fische schoß vor uns her. Die wilde Jagd hinter uns heulte, daß es brauste. Ich rannte mit Rosseherre auf den Armen durch ein Labyrinth von Gängen und Gemächern und endlich fing ich mich in einem großen Raum am Heck. Es gab keinen Ausweg mehr. Die wilde Jagd brach tobend herein. Ich keuchte.
„Hochzeit, Hochzeit!“ schrien sie und schwangen die Mützen, indem sie uns umringten.
„Wollt ihr nicht ein wenig Platz machen!“ sagte ich lachend und wischte den Schweiß vom Gesicht.
Nein, das wollten sie nicht. „Reißt ihnen die Kleider vom Leib, ho! ho!“ Sie heulten und drängten näher. Kopf an Kopf standen sie, hundert neugierige fahle Gesichter mit nassen. Haaren und hellen Glasaugen. Sie wollten alles sehen —
VII
Ich erwachte beim kläglichen Blöken eines Hammels. Die Türe stand offen und die Sonne schien herein. Sie leckte schon nach meinem schwarzen Kamin, es war nach Mittag. Ich sprang auf, Poupoul kam herein um beim Lever gegenwärtig zu sein. Ich schämte mich ein wenig vor ihm und blinzelte ihn scheu an. Aber seine Hochachtung und Zuneigung hatte nicht im geringsten gelitten. Dann ging ich hinunter zum Meer und schwamm, bis ich eiskalt bis in die Knochen wurde. Nun war ich frisch und guter Dinge. Ich hatte heute nacht eines der tiefsten Bohrlöcher meiner Existenz erreicht — nun würde es gesetzmäßig in die Höhe gehen, immer höher, Gott weiß wohin.
Der Tag war herrlich und entfachte Mut.
Das Meer war spiegelglatt und blau wie Seide. Der Himmel war vollkommen wolkenlos und von wunderbar tiefblauer Färbung. Er flimmerte und da und dort war er durchsichtig wie Kristall: dort sausten die Windströme. Über die Insel aber hauchte nur eine kaum fühlbare Brise. Sie streifte das Meer und breitete einen großen stahlblauen Fächer darauf aus, der sich bald öffnete, bald schloß. Ein Schwarm von kleinen leuchtenden Segeln stand draußen. All die Fischer, die gestern betrunken vor dem Grandhotel rollten, waren bei der Arbeit. Es wurde Abend, der Himmel färbte sich grünlich. Das Meer wurde rot wie Wein und die leise Brise hauchte und tupfte das Meer mit fransigen metallgrünen Flecken, die wanderten.
Die kleinen Segel glitten heimwärts durch die Bai und waren bleich.
Ich ging hinunter zum Hafen und stieg in Kedrils Boot. Als es dunkelte, zogen wir das Segel auf. Unmerklich glitten wir dahin, lautlos wie ein großer Vogel, und erst nach einer Stunde hatten wir die große Bai hinter uns. Die Mondsichel gleißte. Alle großen Sterne funkelten am Himmel, die kleinen waren nicht zu sehen. Es waren tausend Stockwerke des Raums über uns. Die Mondsichel schwebte tief unten im Meer und die großen Sterne blitzten aus der Tiefe. Es waren tausend Stockwerke unter uns. Zwischen Oben und Unten war eine dünne Glasscheibe und darauf glitten wir dahin.