Der Wind heulte und versprach mir Ehre und Reichtum und tausend schöne Frauen.

Ich aber lachte. „Merci, behalte alles!“ sagte ich. Ich brauchte nichts, so stand es. In dieser Minute war ich ohne Wunsch.

Wie schwül es nun in meinem Hause war! Ich braute Grog und suchte meine Lektüre hervor. Meine ganze Bibliothek, bestand aus einer Nummer des New-York Herald, European Edition, die ich zufällig in der Tasche mitgebracht hatte. Sie war vergilbt und roch nach Salz und stets kamen ein paar Spinnen heraus. Ich konnte sie auswendig, jeden einzelnen Artikel und selbst die Annoncen. Aber ich las sie immer wieder und geriet stets in eine gehobene Stimmung, wenn ich sie auseinanderfaltete: das war die Welt, meine Herrschaften, die Welt mit Haut und Borsten, einem Heiligenschein und roten Mörderhänden.

Ja, haha, zu amüsant war das — prost!

Auf Seite eins lag noch immer der Papst im Bett — er hütete das Bett — wegen eines leichten rheumatischen Leidens im rechten Knie, nicht im linken, hol mich der Teufel! Ich wünsche seiner Heiligkeit rasche Genesung. Auf derselben Seite rasselte ein betreßter Affengreis mit den Kinnladen und die Affen ringsumher schlugen mit den Schwänzen vor Ergebenheit. Du wirst alt Europa und beginnst zu stinken!

Es rüttelte an der Türe, es pochte, und ich wandte den Kopf. Herein! Niemand antwortete. Eine feine Stimme, wie die einer kleinen frierenden Seele, wimmerte oben an der Türe.

Da gefiel mir Bobby besser, der Nigger, den man im Staate Ohio hinrichtete. O nein, zurück, Bobby braucht keinen geistlichen Zuspruch, er geht „zu einem bestimmten Zweck in die Hölle“. Wenn es schon sein muß — prost, Bobby! — Was sagst du übrigens dazu? Zwischen Deutschland und Italien herrscht momentan große Kälte. He, dieses Genie, das Papierbrei wiederkaut und ein von Druckerschwärze schwarzes Maul hat, legt die Hand auf das Herz der Staaten und konstatiert große Kälte. Ich werde einen glühendheißen Grog trinken, Sie papierenes Rindvieh, denn bei dieser großen Kälte zwischen Deutschland und Italien klappern mir die Zähne.

Regen prasselte über mein Dach. Jemand pickte an das Guckfenster und ein Gesicht sah herein und blinzelte mit zu. Aber ich kümmerte mich nicht darum. Ich war es gewohnt, daß nachts Gesichter zu mir hereinsahen. Die feine Stimme surrte jetzt am Boden, durch die Türritze. Da ließ Creach sein Gebrüll in der Ferne hören. Nebel. Ich warf Tang aufs Feuer.

Dann stürzte ich mich in die Annoncen. Im Handumdrehen engagierte ich dreiunddreißig chamber-maids, governesses nicht über zwanzig, zarte Behandlung zugesichert, und hierauf verschwand ich blitzschnell unter der Erde, um einen Küchenchef, 94 rue de Longchamps zu verpflichten. Ich raste durch die Eingeweide von Paris, stieg ans Tageslicht empor, schwang mich auf einen Autobus und segelte zwischen den Balkonen und Firmenschildern dahin, und die Leute unten trieben im Strom. Hélas! Mein Küchenchef war eben ausgegangen — also wartete ich in einem Café, hier traf ich ein hübsches Mädchen, Auto! Und es ging dahin über die glitzernden Asphaltseen von Paris —

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