Tausend Quadratmeilen Wasser, tausend Kubikmeilen Luft, alles gehörte mir. Nein, die da droben sollten nicht auf den Gedanken verfallen, es mit einem undankbaren, schäbigen Burschen zu tun zu haben. Ich ging und stahl einen halben Gartenzaun und machte ein Feuer an zwischen den Klippen. Ich warf Fische hinein, die ich eigenhändig gefangen hatte, mit Augen und Eingeweiden warf ich sie ins Feuer, und der Rauch schwärzte mein Gesicht. Sie sollten es sehen, wenn sie dort oben durch den Äther fuhren!
Und Tag um Tag saß ich auf dem Stein vor meinem Hause.
Draußen zogen die Dampfer vorüber.
Ich unterschied die kleinste Rauchwolke unter dem hängenden Gewölk, ja sogar ein Mast, der am Horizont wanderte, fein wie eine Nadel, konnte meinen Augen nicht entgehen. Die Rauchwolke wuchs, ein grauer qualmender Turm stand auf der Linie des Horizonts. Der Turm wölbte sich, bekam Maste, Kamine, Verdecke. Die Möwen schwangen sich von den Klippen und schossen schrillend hinaus. Und der Dampfer kämpfte sich näher. Sein Bug, sank ein und verschwand, lange, als ginge es hinab. Dann stieg der Bug in die Höhe und der Stern versank. Und wieder neigte sich der Bug. So zog er dahin. Die Gischtsäulen fuhren senkrecht am Schnabel in die Höhe, die Sturzseen strichen übers Deck. Wenn es dunstig war, so kam es vor, daß ich die Dampfer aus den Augen verlor und minutenlang suchen mußte, bis ich sie wiederfand. Bei Sturm erschienen sie wie verzweifelte Gespenster, die sich mit dem Meere schlugen. Sie sahen kahl aus, wie rasiert vom Wetter. Sie stampften auf und ab, qualmten, rollten hin und her, versanken, und oft dauerte es eine Stunde, bis sie den großen Strom passiert hatten.
Sie zogen nach Süden und Südwest. Von meinem Stein aus sah ich bis nach den heißen wimmelnden Städten Asiens, nach Südafrika, Mexiko und Südamerika, und zuweilen bis dahin, wo die Palmeninseln in einem Meer so blau wie Samt schlummern, und die Affen kletterten in unseren Tauen, sobald wir anlegten.
Ich spähte hinaus. Der Wind zerrte in meinen Haaren, die Funken stoben aus meiner Pfeife und fuhren wagrecht über die Heide. Auf einem Felsen saß ein Möwe mit gesträubten Federn und spähte hinaus wie ich.
Poupoul hockte neben mir und seine Nase ringelte sich bei all den Düften, die das Meer sandte. Er war ein pensionierter Schiffshund, ein zottiger schwarzer Pudel, groß und ein wahrer Teufel, und hatte alle Meere befahren. Ich hatte ihn drüben an der Küste gegen eine Flasche eau de vie eingehandelt. Zuweilen machte er eine kleine Exkursion, die Schnauze am Boden, ob nicht etwa Schweinsohren versteckt wären. Er trollte hin und her und lief hinab zum Meer. Das tat er auf drei Beinen, denn gewiß war es so ein erhöhtes Vergnügen. Er sprang vor und zurück, hielt den Rachen schräg und schnappte nach der Welle. Dann kam er zurück und setzte sich, wieder still neben mich.
Ein Dreimaster stand auf dem Meer. Poupouls gelbe Augen blendeten durch seine ergrauenden Haarbüschel hindurch zu mir empor.
„Ja, Poupoul, ich sehe ihn schon.“
Poupoul aber wollte wissen, ob das sein Schiff sei.