Der Nebel wurde von Minute zu Minute dichter. Creach brüllte nicht mehr. Er grollte wie ein zu Tode verwundetes Tier, das elend zurückgeschlagen sich im Versteck die Wunden leckt und knurrt und röchelt. Das Meer donnerte lauter in den Klippen und die Brandung in der Bai dröhnte, als ob alle zwei Sekunden eine Häuserreihe einstürzte. Die Flut kam zurück. Aber hier bei unserem verglimmenden Feuer war es totenstill. Zuweilen kamen feine, komische Geräusche aus Rosseherres Nase. Ein kleiner Falter, den die Wärme geweckt hatte, schwirrte an der Decke, eine schwarze Spinne wanderte ohne Lärm zu machen die Wand hinauf.

Tief und gleichmäßig gingen Rosseherres Atemzüge. Ich legte das Ohr an ihre Brust. Es rauschte, es atmete. Wie das Meer, wenn die Ebbe nahe ist.

Und was ist das Atmen der Menschen anders, frage ich, als das Atmen des Meeres, aus dem sie kamen?

Rosseherres Atemzüge verbreiteten Stille und Frieden, ja eine Art Heiligkeit. Eine sonderbare Scheu ergriff mich vor dem Stück Leben, das hier bei mir war. Scheu vor deiner Jugend, Rosseherre, deinen schönen Haaren und weißen Zähnen und all dem Leid in deinem kleinen Herzen. Ich kenne dich nicht.

Ich bewegte mich lautlos und wagte kaum zu atmen. Dann setzte ich mich vor das Feuer und dachte an viele Dinge, die längst vergangen waren. Vergangen! Gott sei gelobt! Gesegnet sei das Gesetz der Vergänglichkeit, das die Tage neu macht.

Gesegnet sei auch eure Unbeständigkeit, ihr Freunde und Frauen, die ihr mich so jämmerlich belogen und betrogen habt — es gibt vier Wände und es gibt vier Himmelsgegenden, was ist dir lieber?

Wie lange ich so saß, weiß ich nicht, denn vieles ging mir durch den Sinn. Dann aber weckte mich ein feines Rieseln. Die kleine Kette war auf den Boden herabgeglitten.

Rosseherre saß, aufrecht und lauschte. Ohne Laut hatte sie sich aufgerichtet. Ihre Augen waren ohne jeden Blick. Sie lauschte, mit jeder Fiber und all den tausend Ohren ihres Körpers lauschte sie. Ihre Wangen waren gerötet vom Schlaf, aber plötzlich wurden sie schneeweiß.

„Rosseherre?“

Rosseherre bebte. Sie flüsterte ein paar hastige Worte, aber ich verstand sie nicht.