Sie war nur ein Kind, das weder Vater noch Mutter hatte.

Lange verharrte sie so, und endlich hörte ich, daß sie schlief.

Ich wartete eine Weile, dann hob ich sie aufs Bett. Sie öffnete die Augen, sah mich an ohne mich zu erkennen und schlief weiter. Zuweilen plapperte sie im Traum, aber ich verstand nicht was sie sagte, denn sie sprach Bretonisch.

Was träumte Rosseherre?

Ich saß und rauchte die Pfeife und sah zu, wie sie atmete. Vielleicht träumte sie, sie saß bei den Klippen und alle kamen sie aus dem Meer und plauderten freundlich mit ihr und niemand sah es?

An der Türe rauchte es. Durch mein kleines Fenster blickte ein vergrämtes Gesicht. Der Nebel. Ich warf Holz aufs Feuer, denn sie sollte nicht frieren. Eine Stunde verging, zwei Stunden. Alle drei Minuten erschütterte Creach mit seinem Brüllen die Luft, und der Sand rieselte in meinen Wänden. Creach brüllte immer zweimal nacheinander. Zuerst wie ein wildes Tier, das gereizt auffährt und wütend angreift, dann als ob es sich verwundet zurückziehe und schmerzlich röchele. Eine Ewigkeit sind drei Minuten, wenn man wartet. Creach hat nun zehnmal gebrüllt, eine halbe Stunde ist vergangen.

Rosseherre redete unruhig und angstvoll. Träumte sie, daß sie alle draußen vorübersegelten und ihr winkten, sie aber konnte nicht hinauskommen, denn das Meer war ja zwischen ihnen?

Plötzlich setzte sie sich auf und starrte mich an.

„Nebel, Rosseherre, schlafe.“

Und sofort schlief sie wieder ein. Ich suchte meine dünne silberne Kette hervor und legte sie ihr auf die Brust. Wenn sie nun wieder erwachte, sollte sie sie finden.