„Gehe hinaus,“ flüsterte sie, geschüttelt vom Fieber.

„Beruhige dich,“ sagte ich, „ich will hinausgehen.“

Der Nebel wälzte sich augenblicklich herein wie ein Gespenst, das vor der Türe gelauert hatte. Das Meer donnerte ehern und Creach grollte im Herzen der undurchdringlichen Nebelnacht. Ich lauschte. Ein dumpfer Hammer schlug in meiner Brust. Die Angst, die von Rosseherre ausströmte, hatte auch mich ergriffen. Ich ging ein paar Schritte um mich zurecht zu finden, schüttelte den Kopf und kehrte zur Türe zurück. Aber als ich die Türe zuziehen wollte, hielt ich plötzlich inne. Was war es? Meine Füße klebten am Boden und wurden bleiern, meine Fingerspitzen erstarrten, meine Hände, meine Arme, ich wurde ganz steif, die Haut spannte sich kalt über mein Gesicht und meine Haare stellten sich büschelweise in die Höhe:

Da draußen — tutete es ja —

O, jaja, ich hörte deutlich das hohle, dumpfe Tuten eines Dampfers durch das Toben der Brandung hindurch. Es brach ab. Aber gerade als ich aufatmen wollte, kehrte es wieder. Mir schwindelte. Ich legte mich nach vorn und machte mich ganz Ohr, und mein Ohr saugte wie ein riesiger Schalltrichter dieses Tuten in sich. Nun begann auch eine Pfeife in der Ferne zu schrillen — als ob ein großes wildes Tier und sein Junges zusammen um Hilfe schrien.

Da schlug Poupoul an. Kein Zweifel. Und ich taumelte betäubt ein paar Schritte in den Nebel hinein. Rosseherre glitt an mir vorüber. Sie lief klappernd und schrie: „Naufrage, naufrage!“ Dann hörte ich nicht mehr, was sie rief, aber ihre hohe Stimme schwang im Nebel.

Nein! Nein! Nein! Ich faßte mit den Fäusten in meine gesträubten Haare und schüttelte den Kopf hin und her. Nein! Das alles ist ein furchtbarer Alp, ein entsetzlicher Zauber — niemand kann durch den Nebel sehen, was man nicht sehen kann, niemand in der Welt. Die Woge dröhnte, die Welle lief zornig gegen mich an und der Gischt kräuselte an mir empor. Horch! Ja, trotz des irrsinnigen Zähneklapperns, das mich befallen hatte, hörte ich es: es tutete, pfiff, die beiden Stimmen da draußen im Nebel riefen noch immer. Dann verstummte das Tuten plötzlich und die Pfeife brach mit einem kläglichen Winseln ab.

Ich machte meine Stimme stark und schrie hinein in den Nebel: „Hallo? Hal — lo — —?“ Eine Gischtpeitsche schlug mich übers Gesicht. So lächerlich war es zu rufen.

Da vernahm ich das zischende Ausströmen von Dampf und ein fernes Dröhnen, als ob Eisen genietet würde. Dann schien es mir, als hörte ich das ferne Geschrei einer Menge Menschen. Und nun war es still. Das Meer schlug, die Brandung donnerte, Creach grollte in der Ferne.

Ich lief ins Dorf. „Ein Dampfer ist gescheitert!“ schrie ich. „Ein Dampfer ist gescheitert!“ Ich war sinnlos vor Erregung und das Wasser sprang mir aus den Augen, daß ich erblindete.