War es nicht eine Unverfrorenheit ersten Ranges, sie hier im „Kaiserhof“ einfach zu überfallen?
„Sie saßen doch gestern —?“
„Ich erinnere mich nicht.“ Hedis Stimme wich in weite Fernen zurück. Fern und unwirklich wurde ihr Lächeln.
„Wir wollen nur hoffen, daß Herr v. Hecht —“
Hedis Augen wurden plötzlich kühl, das Leben erkaltete in ihnen.
Mit einer tadellosen Verbeugung, völlig ungezwungen, völlig Herr der Situation, zog Ströbel sich zurück.
Der Geiger in seinem schwarzen Frack schwang sich in den Hüften und blickte kokett lächelnd zum Tisch der Dunkeln, Tragischen, der das Mißgeschick passiert war, ein Glas Wasser umzustoßen.
Hedi gab ihren Mienen einen träumerischen und harmlosen Ausdruck. Niemand sollte auf den Gedanken kommen können, daß ein Wildfremder es gewagt habe, sie anzusprechen. Die Weizenblonde mit den Brillanten in den Ohren hatte die Szene beobachtet. Hedi streifte sie mit einem Blick, und in dem kaum merklichen Aufatmen ihrer Brauen, mit dem sie über die Weizenblonde hinwegsah, lag ihre ganze Verachtung.
Nein, nein, noch war sie lange nicht so weit! Was bildete er sich doch ein —?