Ah, und wie eisig kalt es war!
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Dora lachte belustigt auf.
„Achttausend Mark, Ruth, ich bitte Sie! Für eine ganz einfache Gesellschaftstoilette! Und ein Hemd, ganz und gar nicht luxuriös, etwas billige Spitzen, ein paar Seidenschleifen — fünfhundert Mark. Es ist wirklich eine Komödie. Ich wage es schon gar nicht mehr, ein Geschäft zu betreten.“
„Wie wird es aber werden?“ fragte Ruth und zog die Brauen hoch. „Die Hälfte der Bevölkerung hat schon keine Wäsche mehr. Die Kinder schlafen auf Papier.“
Dora fand das sehr spaßig.
„Wie es werden wird? Höchst einfach, im nächsten Jahr werden wir uns alle in Papier kleiden, Ruth, und das wird ungeheuer lustig werden! Sie erinnern sich an die Dame, die im vorigen Sommer ohne Strümpfe Unter den Linden ging? Wenn man hübsche Beine hat, ist das reizend. Aber denken Sie sich eine Gesellschaft, ganz in Papier gekleidet! Die Industrie wird die reizendsten Farbtöne erfinden —“ Dora mußte vor Lachen abbrechen — „Der General meint allerdings —“
„Er sagt, die Industrie habe Ersatzstoffe erfunden, die viel besser sind als Wolle und Seide. Zum Beispiel, nun wie heißt sie, diese Patentfaser? Die ganze Lüneburger Heide soll mit Brennesseln bepflanzt werden, doch das wird wohl noch ein Weilchen dauern. Aber hören Sie, Ruth, welch blendende Idee! Ich werde bei meinem Hausball Papierkostüme vorschreiben!“ Dora klatschte vor Vergnügen in die Hände, und wieder füllte ihr Lachen Ruths kleinen halbdunkeln Salon mit Heiterkeit und tausend Schelmereien. „Süß sehen Sie aus, mein Kind. Woher stammt diese Bluse? Lassen Sie fühlen, herrlich! Das ist noch Seide! Was man heute für schweres Geld bekommt, ist ja Schund, den früher unsere Neger getragen haben. Aber denken Sie doch Ruth, wenn wir erst in einer Papierserviette schlafen gehen werden —!“ Es war Dora gänzlich unmöglich, diese drolligen Phantasien abzuschütteln.
Ruth bereitete den Tee, während die schöne Dora schwatzte und lachte. Sie folgte mit zärtlichen Blicken jeder Bewegung Ruths, die sie liebte. Ja, aufrichtig liebte, obschon sie ganz anders war, vielleicht, weil sie ganz anders war. Und sie fand sie in vieler Beziehung so amüsant! Zum Beispiel, der Hut hing auf einer Blumenvase und — bei Gott — ein kleiner schwarzgelber Abendschuh lag verlassen auf dem Sofa. War das nicht süß? Und die Teemaschine stand auf dem Schreibtisch, natürlich floß das kochende Wasser auf die Platte. Nein, wie reizend! Früher war Ruth häufig bei ihr gewesen, sie hatten zusammen musiziert —