„Pst!“ Zuweilen legte Weißbach lauschend das Ohr an die gepolsterte Doppeltüre.

Ein lautes, herausforderndes Räuspern, das Räuspern eines Menschen, der keine Rücksichten zu nehmen braucht und auch keine Rücksichten nimmt, drang aus dem Saal, der von dem Ölgemälde Seiner Majestät bewohnt war.

Plötzlich aber begann es in diesem Saal zu donnern, einmal, ein schwächeres Donnerrollen, zweimal — wiederum Stille. Der Adjutant wechselte die Farbe. War jemand in das Zimmer des Generals gekommen? Unmöglich! An der gepolsterten Doppeltüre im Korridor hing das Schild „Vortrag“. Und daneben das Schild: „Kein Zutritt! Anmeldung Zimmer 6!“ Ganz unmöglich. Aber trotzdem: es klang, als spräche er mit jemand —?

Halt, Unglückseliger! Es war zu spät . . .

An der gepolsterten Doppeltüre, die zum Korridor führte, knackte es plötzlich höchst eigentümlich, und der goldene Kneifer glitt von der Nase des Generals.

Es geschah etwas geradezu Unfaßbares . . .

Der General hatte, so alt er war, das heißt solange er einen höheren Rang bekleidete, so etwas nicht erlebt. Er hätte es, offen gesagt, für unmöglich gehalten.

In der Doppeltüre erschien — unter Umgehung des Schreibzimmers, der Anmeldung, unter Umgehung des Adjutanten, trotz der Aufschriften „Vortrag“ und „Kein Zutritt! Anmeldung Zimmer 6!“ — erschien, ganz als ob es eine selbstverständliche Sache sei, hier einzutreten, ein gewöhnlicher Soldat! Wie von einer höllischen Versenkung emporgehoben, tauchte er plötzlich auf.

Ein Drillichkittel, eine Ordonnanz mit einem großen gelben Brief in der Hand. Dieser Mann — ein Schneider von Beruf, klein, etwas krummbeinig, namens Hanuschke, den man hierher kommandiert hatte, so wie man ihn im Laufe der Kriegsjahre an Dutzend Stellen kommandierte — hatte sich einfach in der Türe getäuscht. Er wollte gar nicht nach Nummer 7, er wollte nach Nummer 6.

Dieser Schneider Hanuschke hatte, um nur etwas zu nennen, bei der Lorettohöhe gekämpft, er war einer der wenigen, die noch in der berühmten Zuckerfabrik bei Souchez waren, von der seinerzeit soviel die Rede war. Bei Souchez hatte eine schwere französische Mörsergranate dicht neben ihm den Kompanieführer und drei Kameraden mit in die Höhe genommen, gewiß kein geringer Schreck — er hatte sich am Roten-Turm-Paß und in Polen geschlagen, also manches erlebt — nun aber stand er wie vom Schrecken gelähmt: Vor seinen Augen schwebte urplötzlich in einer lichtgesättigten, hellblauen Rauchwolke ein General. Im ersten Moment glaubte er sich einer überirdischen, verwirrend funkelnden Erscheinung gegenüber, die zwei weiße Stichflammen auf ihn richtete.