Abermals donnerte es, diesmal weniger drohend. Er war entlassen. Sein geflickter Hosenboden schaukelte durch die Doppeltüre. Auf dem Gang wischte er sich aufatmend mit dem Ärmel den Schweiß vom Gesicht, der plötzlich aus allen Poren hervorbrach. Genau so wie damals, als der Feldstecher des Kompanieführers neben ihm herunterkam.

4

Ohne Laut, fast ohne jede Bewegung, arbeitete der General, vergraben in den Berg von Akten, den man auf dem Schreibtisch aufgehäuft hatte.

Die eisige Stille, die von ihm ausging, drang durch die Poren der Steine und Fasern der Türen, verbreitete sich durch Zimmer und Korridore und erfüllte zuletzt das ganze Gebäude.

Mit rascher Hand warf der General Bemerkungen an den Rand der Akten, um sie hierauf in einen Korb zur rechten Hand zu legen. Der Berg der Schriftstücke zur Linken schmolz zusammen, auf der andern Seite wuchs er in die Höhe. Umfangreiche Schriftsätze maß der General mit einem rügenden Blick und warf sie — je nach ihrem Umfang mit größerem oder kleinerem Schwung — in einen besonderen Korb, der die Aufschrift trug: Wolff, Vortrag! Wolff, der Major, der Hüne, hatte Zeit für alles. Er war eines jener beklagenswerten bürgerlichen Arbeitstiere, wie sie in allen Ressorts saßen, die sich im Schweiße ihres Angesichts, ohne jede andere Empfehlung als die Qualifikation ihrer Vorgesetzten, in der Karriere vorwärtskämpften. Wolff arbeitete oft die ganze Nacht hindurch.

Es schien dem General, als ob seine Hände, deren erdiges Aussehen ihn seit geraumer Zeit ängstigte, nunmehr lebhafter gefärbt seien. Offenbar, die Erregung vorhin hatte ihm gutgetan! Das Blut, das sich in seinem Kopfe gestaut hatte — wie immer nach großen seelischen Erregungen — war durch die Adern gepreßt worden und hatte die Gefäße wohltuend erweitert. Eine gleichmäßige Hitze überzog seinen Körper, und die Hände schwitzten plötzlich etwas. Ein Symptom, daß die Krisis überwunden war.

Bewegung fehlte ihm!

Wenn er wenigstens hätte ausreiten können!

Aber der Dienst — und dann, welch jämmerliche Pferde hatten sie doch gegenwärtig in Berlin! Er würde sich schämen, sich auf solch einer Schindmähre sehen zu lassen. Wie wunderbar war es dagegen an der Front gewesen! Wenn er in der Morgenfrische, täglich zwei Stunden, spazieren ritt, begleitet von seinem Adjutanten. Und die Geschütze brummten nah und fern. Herrliche Morgen, unvergeßlich!

Der Blick des Generals verlor sich in die Weite.