Aber er sah nicht die Lindenallee, durch die er zu reiten pflegte, die Rauchsäulen, die aus den Erdwohnungen der Soldaten stiegen, die Kolonnen, die über den Hügel krochen, nein, er erblickte: Ruth! Ruth und den Frühstückstisch von heute morgen.

„— also gelöst?“

„Ja, Papa“

„Und er, Dietz — also mit seinem Einverständnis? Hm — so, so . . .“ Er schlürfte den heißen Kaffee.

„Hier ist sein Brief, Papa, lies ihn.“

„Danke, wozu? Du bist ja kein Kind mehr und kannst schließlich tun und lassen, was du willst. Na — schön!“

Ruth küßte ihm die Hand. Weshalb eigentlich?

Jakob kam in diesem Augenblick ins Zimmer — wie peinlich! Er brachte geröstetes Brot, denn das Kriegsbrot war nachgerade nicht mehr zu genießen.

„Soso, hm.“ Aber weshalb küßte sie ihm die Hand? Es war völlig unnötig. Nichts haßte er ja mehr als irgendwelche Sentimentalitäten.

So warm und bebend, Nachsicht erflehend, hatte er ihre Lippen auf seiner kalten Hand gefühlt — er konnte ihr nicht zürnen in diesem Augenblick. Ruth hatte also das Verlöbnis mit Dietz gelöst. Eine glänzendere Zukunft hätte ihr niemand bieten können. Natürlich war es eine Überraschung für ihn, keine angenehme Überraschung, unnötig es zu sagen.