Da lag er nun in einem halbdunkeln Saal. Franzosen, Engländer, Kanadier, Farbige, hier waren sie nun alle vereint. Neben ihm saß ein Schwarzer im Bett, dem der Unterkiefer weggerissen war, und keuchte aus einem blutigen Watteklumpen. Stöhnen, Winseln, Fauchen, halblautes Lallen. Wie über alle Lazarette, war auch über diesen Saal jene unbegreifliche Ergebenheit gebreitet. Sie alle, die hier lagen, fühlten, daß es ihr Schicksal war, gegen das es keine Auflehnung gab. Die Schlacht war gekommen, weil es so sein mußte, sie waren verwundet worden, weil es so sein mußte, und sie würden sterben, wenn es beschlossen — war.

Auch über ihn war diese gleiche rätselhafte Ergebenheit gekommen, die jeder Verwundete kennt, der im Lazarett aufwachte.

Da — plötzlich — sah er eine Gestalt, eine kleine Gestalt, eine Schwester. Sie stand mit dem Gesicht gegen die Wand, der Lichtschein streifte sie — sie preßte das Taschentuch gegen das Gesicht, ihre Schultern bebten — sie weinte. Lange beobachtete er sie. Sie weinte . . .

Auch Ruth erkannte ihn wieder.

Ruth sagte: „Sie schrien im Fieber immerzu — füsiliert mich! Die einzige Ehrung, die Europa bieten kann, ist füsiliert zu werden!“

„Sagte ich das?“

„Ja, Sie sagten noch ganz andere Dinge. Sie sagten viele Dinge, die schon lange in mir schlummerten.“

„Sie —?? Aber Sie sind doch die Tochter eines Generals?“

„Ja! — Was hat das zu sagen?“

So wurden sie Freunde.