Der hohe Besuch rief Erinnerungen wach in ihr an jene Zeit — an damals — da sie bewundert und auf den Händen getragen wurde, von aller Welt, da alle Welt wetteiferte, ihr gefällig zu sein, da täglich Geisterhände sämtliche Vasen und Schalen ihres Hauses mit den wunderbarsten Blumen füllten. Und das heutige Fest erschien ihr plötzlich als eine Fortsetzung jener blendenden Feste dieser Zeit. Wieder trug sie in einer Nacht ein Dutzend verschiedener Kostüme, wieder wurde sie stets neu entdeckt und stets neu bewundert. Wieder war sie von einem Schwarm von Anbetern umgeben. Da war dieser Hauptmann, mit dem drolligen Namen Feuerwalze — hoffnungslos verliebt in sie! Da war dieser Sonderbare, Unbekannte mit der rasselnden Schale, der sie auf Schritt und Tritt verfolgte — und da waren noch andere, die ihr Worte ins Ohr flüsterten, die beim Tanzen plötzlich — und ein eifersüchtiges Auge wachte über ihr — ganz wie damals.
„Hier ist er!“ rief Dora mit heller Stimme und übergab den hohen Würdenträger auf der Empore dem General.
5
Mit allen Anzeichen mühsam zurückgehaltener, freudigster Überraschung erhob sich der General.
Wie alt er geworden ist, dachte auch er. Und die eine Augbraue ist schon ganz verzerrt. Eine Wachsfigur! Er verbeugte sich. Der Orden, der auf dem Frackhemd der Exzellenz funkelte, wog allein mehrfach alle Auszeichnungen auf, die der General auf der Brust trug.
„Ich bitte“, flüsterte der Träger des hohen Ordens und streckte dem General beide Hände entgegen, „aber ich bitte Sie herzlich, mein lieber, alter Freund, freue mich, Sie wiederzusehen, freue mich ganz außerordentlich, wieder einmal Gelegenheit zu haben.“
Schon stand ein Sessel bereit, und der General beachtete genau, bis der hohe Würdenträger sich gesetzt hatte, bis er richtig saß. Erst dann wagte er, neben ihm Platz zu nehmen.
„Erfreut, außerordentlich erfreut. Ich bin etwas verspätet, ein Diner.“
Petersen trat hinter den Sessel der Exzellenz.
„Ich danke — doch, einen Augenblick, mein Freund. Ein Glas Wasser, wenn ich bitten darf.“