„Ich sehe mit aufrichtiger Freude, daß Euer Exzellenz sich sehr wohlbefinden“, rief der General.

„Bis auf mein altes Darmleiden, mein Freund —“

Die Unterhaltung wurde in lautem Tone geführt, denn der hohe Würdenträger war schwerhörig, und es war bekannt, daß er es niemals zugestand und niemals fragte. Man behauptete sogar, daß er die wichtigsten Verhandlungen führe, ohne ein einziges Wort zu verstehen, und völlig freie Erfindungen weitergäbe. Die Stimme des Generals klang kräftig, er wünschte, daß der hohe Würdenträger kein Wort verliere. Wie geschickt Dora diese Begegnung arrangiert hatte! Vielleicht würde diese Gelegenheit, sich in Erinnerung zu bringen, nie wiederkehren.

„Zwischen den Schlachten“, sagte die Exzellenz lächelnd, und deutete auf Turbane, Federbüsche und die Woge von nacktem Fleisch da unten.

„Exzellenz bemerken sehr treffend. Es sind zumeist Offiziere, die auf Urlaub hier sind, Atem schöpfen, um morgen zur Front zurückzukehren.“

„Ja, ja, ja.“

„Exzellenz —.“

Der Einflußreiche legte seine weichen, kleinen Hände auf den Schenkel des Generals. „Lieber Freund,“ sagte er, „ich darf wohl bitten, alles Zeremoniell zu lassen. Wir sind doch alte Freunde. Ja, wie lange kennen wir uns schon?“

„Es sind,“ der General dachte nach, „es dürften wohl dreißig Jahre sein.“

„Dreißig Jahre!“ Der hohe Herr rückte auf dem Sessel hin und her, wiegte den wächsernen Kopf und lachte beunruhigt. „Ein Menschenalter! Ich erinnere mich noch sehr deutlich, daß wir ebenfalls in Berlin einmal auf einem Ball waren. Es war, wo war es denn nur gleich?“