„Hoffentlich war es nicht zu beschwerlich für Sie“, sagte Dora und begleitete die beiden schwarzen Gentlemen in ihrer Zerstreutheit zur Diele. „Vielen Dank!“ Und sie drückte ihnen die Hand.
Sie empfand tiefe Sympathie für die beiden schwarzen Gentlemen, aufrichtige — auch sie waren fremd hier, auch sie gehörten in ein Land mit Papageien, Wärme, blauem Himmel und Orchideen — ganz wie sie. Alle drei waren sie Fremde hier.
Ach, wie unglücklich sie war, Dora!
Sie sank auf einen Stuhl, wanderte wieder — das Kleid glitt immer mehr über die Schulter. Damals — Reisen, Feste, Paris, Nizza, Italien — und immer Fröhlichkeit, jeder Tag ein Paradies für sich. Aber es mußte sein, man riß sie los von ihm. Nein, sie liebte auch ihn nicht, um die Wahrheit zu sagen, sie liebte einen andern, früher noch, der das schönste Lächeln der Welt hatte. So — mit diesem Lächeln stand er in ihrer Erinnerung. Aber es war unmöglich. Er war arm, er hatte gar nichts. Unmöglich. Dann hatte sie diesen Lumpen geheiratet — weshalb eigentlich? Weil die Frauen sich um ihn rissen — er betrog sie am ersten Tage schon. Ja, weshalb? Nur um diese Leere zu vergessen, die zurückgeblieben war, als man sie losgerissen hatte.
Dann, eines Tages — welch entsetzlicher Tag — wo sie vis-à-vis de rien stand — buchstäblich — das heißt noch Schulden. Aber es gab Freunde, Gott sei Dank gab es — einen hochherzigen — ja, in Wahrheit hochherzigen Freund, der nicht zögerte, ein Vermögen hinzugeben.
Und — nun — und nun? Oh — entsetzlich!
Dora wanderte. Sie rauchte eine dicke Zigarette und wanderte. Die Jahre flogen, die Sommer wirbelten rückwärts, Sommer um Sommer, Frühling um Frühling. Und diese Welt, diese entsetzliche Welt, die schrecklicher, oder, düsterer und kälter wurde mit jedem Jahr!
Nicht die Welt hatte sich geändert, Dora vergaß es. Sie war seit jener Zeit, da jeder Tag ein Paradies war, um zehn Jahre älter geworden.
Aber sie begriff es nicht.
Und trüb graute der Tag.