Dora lachte vor Vergnügen. Wieder kam ihr die Blütenschlacht in den Sinn. Was für ein drolliger, alter Herr das war! Seine orangefarbene Schärpe, wie unendlich komisch!

Gelungen war das Fest! Ganz Berlin würde darüber sprechen — über die Tänzerin, etwas kühn, nicht wahr, und die beiden Neger — ja, es kam nur darauf an, Einfälle zu haben! Eine Oase in dem grauen, schrecklichen Winter. Dank für das Fest! Alle dankten, alle waren glücklich gewesen — ein paar Stunden. Eine drollige Liebeserklärung von Hauptmann Feuerwalze. Endlich hatte sie nach langer Zeit wieder fröhliche Menschen um sich gesehen, und so war es nun einmal: Dora konnte nicht leben ohne Freude. Aber — sie schrak zusammen, indessen voll spitzbübischen Vergnügens — wie leichtsinnig war sie doch gewesen! Der Sekt — sollte es der Sekt gewesen sein —? Wie leicht hätte jemand sie beobachten können!

Nichts aber liebte sie mehr als Abenteuer, aus einer Laune geboren — eine Minute vorher wußte man noch nichts von ihnen, und oft eine Minute nachher nichts mehr davon. Und Doras Gedanken huschten blitzschnell über eine Reihe ähnlicher Abenteuer dahin, die sie nicht missen möchte in ihrer Erinnerung.

Wunderbar — und niemand, niemand . . .

Nur einer, oder ein paar Vertraute —

Plötzlich aber griff Dora wieder zur Post. Es ging nicht an, allzu lange bei diesen Abenteuern zu verweilen.

Ein Brief des Generals! Seht an! Doras Lippen kräuselten sich. Sie legte den Brief langsam zur Seite. Diese Schriftzüge jetzt, nein — sie langweilten sie momentan, steif und anmaßend kamen sie ihr vor, später.

Sie griff nach einem rosafarbenen Briefchen, das an einem Fliederstrauß befestigt war. Zu ihrer großen Überraschung war es ein drolliges Gedicht, die Huldigung einer lustigen Gesellschaft, die das Fest bei Ströbel beschlossen hatte. Dora lachte, daß das Treibhaus zu klingen begann. Ach, wie bezecht müssen sie gewesen sein —!

Zu dieser Gesellschaft, die das komische Gedicht bei Ströbel verfaßt hatte, gehörte auch Hedi. Sie kam etwas nach zehn Uhr nach Hause, und gerade, als sie das silbergraue Schleierkostüm, das ganz in Stücke gegangen war, leider, abstreifte, erwachte Klara. Grelle Lichtzacken stachen durch die zusammengezogenen Vorhänge.

„Ah, da bist du ja!“ sagte Klara. Aber welche Betonung! Sie hatte die Schwester zuletzt in einem Kreis von händeklatschenden Vermummten gesehen, wo sie einen schamlosen Tanz aufführte, und es gab keine Worte, die ihre Verachtung ausdrücken konnten.