Wie die Sturmflut war das Heer vorgebrochen, wenn die Dämme gerissen sind — ganz wie der General es prophezeit hatte. Hunderte von Geschützen, Tausende, Zehntausende von Gefangenen — eine Batterie trabte über die Linden. Der Kaiser hatte befohlen, „Viktoria zu schießen“.

Die Stimmen schwirrten, Jubel fuhr dahin über die Millionenstadt. Unaufhörlich mahlten die Drehtüren der großen Hotels fröhliche Gesichter hinein und heraus. Die Foyers der Hotels waren überfüllt, schon sah man Frühlingskleider der Damen, während andere noch Pelze trugen. Die Kellner schleppten die silbernen Tabletten, die Kapellen musizierten. Freude erhellte die Mienen.

Ja, wunderbar war diese herrliche Armee, prachtvoll diese Burschen, die kämpften und starben, wie in den ersten Tagen des Krieges, als sei der Tod ein Scherz.

Und diese Führung: unübertrefflich!

Zehntausende von Gefangenen — immer mehr, mit jeder Stunde — die Beute unübersehbar — unübersehbar . . .

Oben auf dem Brandenburger Tor trieb die Viktoria ihr Viergespann mit siegesgewissem Lächeln vorwärts.

Fontänen von Extrablättern stiegen über den Linden in die Höhe. Die Menschen ballten sich zu Knäueln, sie setzten ihr Leben ein, nur um ein Zeitungsblatt zu erhaschen, ganz wie die prachtvollen Burschen an der Front, die durch zischende Eisenstücke sprangen. Schirme wurden zerbrochen, die Damen verloren die Absätze von ihren Schuhen, und die Taschendiebe griffen ohne jede Rücksicht einfach in die Taschen.

Und die Batterie, vier alte Kanonen aus dem Siebziger Kriege, trabte vorbei — Viktoria . . .

Das Hauptquartier schwimmt in Wonne — die englische Armee vernichtet . . .

Furchtbar war dieser Winter gewesen, über alle Maßen furchtbar! Unerträglich das Sterben ringsum, draußen und in der Heimat. Das Sterben, das sich sonst in gesitteten Formen vollzog, es war in Panik ausgeartet. Die Freunde starben, die Dienstboten, die Kutscher fielen von den Kutschböcken, auf der Straße starben die Unglücklichen, man sagte einem Gesunden „Gute Nacht“, und am Morgen hustete er ein paarmal, und schon war er tot. Unerträglich, unerträglich, Tag für Tag zwischen diesen wandelnden gelben und grünen Leichen einherzugehen, diesen Gezeichneten, mit dem Kuß der Verwesung auf der Stirn, selbst solch eine wandelnde grüne und gelbe Leiche, selbst ein Gezeichneter! Unerträglich!