Siebzig Millionen strichen wie Irrsinnige an den Gitterstäben entlang — und die Armee hatte einen Ausfall gewagt, einen glückverheißenden Ausfall.
Verheißungsvoll flatterten die Flaggen im seidigen Blau des Himmels. Hell funkelte die goldene Göttin auf der Siegessäule.
Die Riesenstadt erbebte bis in die entlegensten Vororte. Überall flatterten die Zeitungsblätter. Die Kolonnen der gelben Gesichter selbst belebte die Hoffnung. Die Bewegungen der Erschöpften und Ermüdeten in den Werkstätten wurden rascher. Verheißungsvoll zischte der Dampf, blitzten die Räder.
Selbst in den Augen jener, über die bereits die Agonie ihre Schatten breitete, in den Augen der Verzweifelten, Hungernden, Verhungernden, Sterbenden ersprühte eine leise Hoffnung, der letzte Funke.
Ja, komme, du gebenedeiter Tag!
Aber horch! Was ist das?
Ein Geschrei wie von tausend gemarterten Kindern, ein Geheul wie von tausend gemarterten Hunden — nichts, nein, nichts, es ist nur eine Regimentskapelle, die in die Linden einbiegt. Sie spielt nicht erstklassig, Bucklige, Lahme, Greise — was willst du? — und eben feuert auch die Batterie aus dem Siebziger Krieg Viktoria.
Über den Linden brummt ein Riesenflugzeug, zehn Menschen sind an Bord. Wer sollte es ahnen? Es ist immerhin noch einiges im Lande, nicht viel, aber noch einiges: zum Beispiel die Haare der Frauen für Seile und Webwaren, das Gold in den Gebissen. Die Generale und Gamaschenträger werden nicht zögern.
8
Plötzlich leuchtet ein helles Rot durch die Menge, das weithin blendende Rot eines Mantelaufschlages.