Grüppchen von Verwundeten, Zerschossenen, die sich gegenseitig stützen, immer wieder fallen, und die furchtbare Bahn der Granate heult über sie hinweg — Unglückliche, die verkommen, wenn der Zufall ihnen nicht gnädig ist. Und die Verbandplätze, wo die Ärzte mit schweißigen, stieren Augen arbeiten — und die furchtbare Bahn der Granate heult über sie weg . . .
Sonderbarerweise fiel ihm in diesem Augenblick ein längst vergessenes Erlebnis ein. Das Regiment hatte gestürmt. Über einem zerschossenen englischen Graben lag, das Haupt zurückgebogen, ein toter Inder. Schön und edel, den Adel seiner tausendfach geschändeten und vergewaltigten Rasse in den Zügen. Und — was denkst du? — die schweißnassen, blutnassen, rauhen Hände der Kameraden, die rauhen Hände von Arbeitern und Bauern streichelten das Gesicht des toten Inders, während sie vorübergingen. Streichelten es, einer um den andern. Schön bist du! — Hast es gut jetzt, keine Sorgen mehr. — Nun, mein Junge, dich hat es gepackt! — Liebkosten ihn — den Bruder!
Den Bruder, den Bruder!
Wie Keulenschläge trieben die Glocken Ackermann vorwärts. Sein flatternder Mantel flog dahin.
Ja, ja, dreimal heiliges Ja! Gott weiß es!
Einer mußte den Anfang machen! Einer mußte sich den im Wahnsinn dahinjagenden Völkermassen entgegenwerfen — einer mußte das Signal geben, selbst Signal sein — einer, einerlei, ob man ihn niederschlug, in Stücke zerriß. Einer, andere würden folgen, mehr, immer mehr!
Einer, ja, einer —
Der flatternde Mantel blieb stehen, Verzückung lag auf Ackermanns Antlitz.
„Nun wohl, ich bin bereit!“ rief er.
Bereit, bereit? Wozu bereit?