„Nun bereit, einfach bereit!“
Es war beschlossen. Seit heute, seit gestern, seit Monaten, seit Jahren. Es war beschlossen, seit er 1914 bei Langemarck stürmte, und die Reihen der Kameraden auf rätselhafte Weise dahinsanken. Nun wußte er es. Gott hatte ihn geprüft und auserwählt.
Alles war vorbereitet. Die Broschüre war fertig. Richard, sein jüngerer Bruder, würde sie wie anderes früher in der Provinz drucken lassen — die Freunde würden sie vertreiben. Die Mutter? Sie mußte begreifen. Und Ruth? Ruth war tapfer. Es war alles in allem nicht die Zeit, an diese Dinge zu denken.
„Vorwärts! Vorwärts!“ Die Glocken heulten es, die Todesschreie in der Luft, das Röcheln der Sterbenden, das Jammern der Witwen und Winseln der armen Waisen — die Kameraden riefen es ihm zu, über die jetzt, in dieser Minute, die furchtbare Bahn der Granate hinwegheulte, die Kameraden, die jetzt mit starren Augen lagen, Freund wie Feind, die jetzt verbluteten, Freund wie Feind — alle, alle: vorwärts!
„Ackermann! Ackermann!“ riefen warnende Stimmen in der Luft.
Er blieb stehen und warf die Blicke empor zu den unbekannten Stimmen in der Luft.
„Ackermann! Ackermann!“
„Bereit — bereit!“ rief Ackermann und eilte weiter.
11
Im Augenblick hatte der schmächtige junge Mann die Fenster geöffnet und die Rolladen hochgezogen. Es sah aus, als sei Kunze soeben von der Reise zurückgekehrt und nehme seine Wohnung in der Blücherstraße wieder in Besitz. Eine Schicht von Staub und Sonne lag über den Dächern draußen, und feierlich brodelte darin das Läuten der Glocken.