„So, so — immer hereinspaziert!“

Zögernd schob sich der kleine Herr Herbst über die Schwelle. Es mußte ja sein, es gab kein Entrinnen mehr vor dem jungen Mann mit dem Kneifer. — Ein Block von Licht brach in die dunkle Wohnung, und er schloß, wie versengt, die Augen — aber was half es denn? Nichts. Er hatte ihn ja doch gesehen, trotzdem, ja ohne hinzublicken: den Haken über der Türe zum Schlafzimmer. Nur ihn sah er — nichts sonst — diesen Haken.

Ah, ah, ah!

Ächzend sank er in einen Sessel und krümmte sich zusammen.

„Nun, sofort, mein verehrter Herr!“ rief Kunze etwas keuchend aus. Eine Schweißperle lief über seine Stirn. Jede körperliche Tätigkeit, auch die geringste, erschöpfte ihn augenblicklich. „Die Lunge, wissen Sie. Sofort, sofort zu Ihrer Verfügung.“ Fieberhaft kletterten seine raschen Augen über Möbel und Wände. Er verbarg sein Erstaunen nicht, nein, wozu denn, vor wem denn? Er staunte — staunte, mit offenem Munde!

Die rote Plüschgarnitur des Wohnzimmers, heute allein ein Vermögen wert! Die Gaskrone mit Glasprismen, der rote Teppich, überall Vasen, Nippes, goldene Bilderrahmen — eine kleine Palme in der Ecke, daneben ein Grammophon. Die Vorhänge und Gardinen kunstvoll drapiert über den Stangen. Das Schlafzimmer schneeweiß! Und peinliche Ordnung und Sauberkeit, bis auf den Staub, der sich da und dort angesammelt hatte.

Alles in allem: ein behagliches Bürgerheim, die Wohnung eines Bürgers in guten Verhältnissen — aber verlassen!

„Und da hausen Sie nun in diesem Loch, in dieser Mietkaserne — und hier haben Sie eine prächtige Wohnung!“ rief Kunze in äußerstem Erstaunen aus.

Herbst entgegnete nichts. Er hatte den steifen Hut aufbehalten und saß zusammengekrümmt, so daß sein Gesicht nicht zu sehen war. Die schmalen Schultern in dem abgeschabten, rostfarbenen Havelock zitterten.

„Ist es zu glauben? Ja eine prächtige Wohnung! Und Sie haben keine Angst vor Einbrechern? Mein Himmel! Tag und Nacht wird ja jetzt gestohlen in Berlin. Die Stadt wimmelt von Dieben und Einbrechern. Bataillone, Armeen von Dieben und Spitzbuben sind an der Arbeit!“