An der Wand, über dem Jäger mit dem frischen Jungengesicht, aber hingen zwei Bildnisse in ovalen Rahmen: eine etwas korpulente Dame mit voller Büste, vollen Wangen, einem kleinen Fettkinn und auffallend großen runden Augen. Die Dame lächelte freundlich, gutmütig, ein bißchen verlegen. Eine Kette mit einem großen Kreuz trug sie um den Hals. Daneben: ein Herr, etwas hochmütig, voller Würde, das volle dunkle Haar peinlich gescheitelt, die Augen zuversichtlich in die Ferne gerichtet. Im Gehrock, schmaler schwarzer Binde — ein Beamter, der bei seinem Vorgesetzten Besuch macht. Sah man die korpulente, freundlich lächelnde Dame an, so schien sie augenblicklich den kleinen Mund zu öffnen und zu plappern, zu sprudeln — der Herr aber, würdevoll, blieb stumm, schweigsam. Die Hand hatte er etwas steif und gravitätisch zur Hälfte in den schwarzen Gehrock geschoben — eine kleine Hand . . .

„. . . schlage sie aufs Haupt —“ sagte also mein Vater, er ist glühender Patriot — „diese vom Teufel Besessenen, die aus Neid und Rachsucht über unser geliebtes Vaterland herfallen — schlage ihnen die Schädel ein, zerreiße sie in Stücke — der Herr will es! Sofort packst du deine Sachen! Nun, mit dem Felde war es ja leider, leider nichts. Ich sagte Ihnen ja schon, meine Lunge. Aber jeder nach seinen Kräften, nicht wahr? Das war nun nicht ganz nach dem Geschmack —“

Plötzlich stockte Kunze. Er war in das Studium dieser kleinen Hand des Beamten im schwarzen Gehrock versunken. Er stutzte, rückte den Kneifer zurecht — schlürfte am Glas. Hm!

War es denkbar?

Wie, wie, wie, sollte er, dieser Würdevolle, Gemessene, Schweigsame, mit dem zuversichtlich in die Ferne gerichteten Blick —?

Und diese fahlgelbe — Rübe, etwas angeschimmelt, mit Erlaubnis zu sagen — sollte sie —?

Ja, unmöglich, ganz unmöglich! Und doch, diese Hand, das kleine Näschen und selbst das kurze Schnurrbärtchen, jetzt zwar grauer und schäbig — so unglaublich es erschien, dieser Ernste, Würdevolle in seinem Gehrock, und der Kleine, Glatzköpfige, Vertrocknete, Verkommene, mit den entzündeten, vergilbten Augen, sie waren in der Tat ein und dieselbe Person!

Kunze verlor vor Erstaunen völlig den Faden seines Geschwätzes. Er erhob sich und tupfte das Gesicht mit dem Taschentuch.

Hm. Er polierte den Kneifer, ging auf und ab und verschwand schließlich in der Küche, um eine neue Flasche zu holen. Seine Miene hatte sich verändert, als er zurückkehrte. Sachlich und kühl betrachtete er den kleinen Herrn Herbst. Er goß die Gläser voll, räusperte sich und begann:

„Aber genug mit dem Schwatzen jetzt“ — ruhig und geschäftsmäßig klang seine Stimme — „Wir haben, wie ich mir schon zu bemerken erlaubte, keine Zeit zu verlieren, der Major drängt, nun, er wird wieder von dem Oberst gedrängt, Sie wissen ja, wie es beim Militär zugeht. Seitdem sich nun diese hohe Persönlichkeit in die Sache gemischt hat —“