„Wir öffnen Koffer unterwegs, so daß der Eigentümer es nicht merkt, besonders das Öffnen von Briefen ist unsere Spezialität. Wir überwachen die Korrespondenz von Tausenden!“

„Wir nehmen ganz einfach Abschriften, und wenn es besonders interessante Fälle sind, photographische Kopien. Wir wissen alles, wir kennen die Geheimnisse der höchsten Persönlichkeiten. Wir erscheinen als Kellner in den Restaurants, wo irgendeine besondere Sitzung veranstaltet wird, da sind wir dabei. Selbst bei den hohen Würdenträgern unserer Verbündeten haben wir unsere Agenten. Wir bohren Löcher durch Türen und öffnen Schreibtische. Fürsten, Minister, Abgeordnete — wir kennen ihre geheimsten Gedanken.“

„Ja, wir machen alles! Ihr junger Schützling, Verehrtester — er ist in guten Händen. Und auch jene hochgestellte Persönlichkeit, die sich für den Lebenswandel ihres Töchterchens interessiert — auch sie wird zufriedengestellt werden. Ja, wir machen alles. Und Sie und ich — was glauben Sie? — wir werden einen Orden erhalten — auch Sie, hören Sie! Ich werde dafür sorgen, ich! —“

Aber da der Havelock selbst bei dieser blendenden Eröffnung still blieb, hob der Semmelblonde wiederum den Kopf über die Tischplatte. Das Gesicht des kleinen Herrn Herbst hatte sich abermals völlig verändert, es war ohne Augen, ohne Nase und ohne Mund, dagegen umgeben von einem dünnen, grauen Backenbart. Es war die Glatze des kleinen Herrn Herbst, der eingeschlafen war. In diesem Augenblick geriet der Havelock ins Gleiten, und ohne Laut sank er auf den Boden.

„Und noch eine Mosel — und noch eine Mosel — dreimal hoch!“ sang Kunze mit hellem Tenor und begab sich im Foxtrott hinaus in die Küche. Fürchterlich schlingerte das Haus.

„Gloria — Viktoria —“ heulte das Grammophon ganz allein für sich.

12

Vor dem grauen Hause in der Tiergartenstraße hielt Ackermann den Schritt an.

Unendlich zart umschlang ihn ein Arm.

„Ich werde mir Mühe geben“, flüsterte eine weiche, unendlich geliebte Stimme.