Da niemand etwas sagte, fuhr Klara fort: „Ich war seine Geliebte.“
Die Majorin fiel ihr ins Wort. Kühl und förmlich sagte sie: „Mein Sohn hatte keinerlei Geheimnisse vor mir. — Geht hinaus!“ herrschte sie die beiden Schwestern an, und sie verließen sofort gehorsam das Zimmer.
„Wie sagten Sie? Seine Geliebte?“ Die Majorin dämpfte die Stimme.
„Ja. Ich bin seine Geliebte.“
„Aber wissen Sie auch, was Sie sagen?“
„Sie wollen also sagen“ — die Majorin stockte — „Sie wollen doch nicht sagen, daß Sie mit Heinz in Gemeinschaft gelebt haben?“
Klara zuckte zusammen und hob den hilflosen, wunden Blick zu den graublauen Augen empor. Sie errötete. „Nein, nicht das —“ stotterte sie. „Das wollte ich nicht sagen.“
Auch über das gelbe, lange Gesicht der Majorin huschte ein dünnes Rot. Erleichtert und etwas freundlicher sagte sie: „Nun, dann danke ich Ihnen herzlich für Ihren Besuch, mein liebes Fräulein!“ Sie versuchte, ihrer Stimme sogar einen warmen und aufrichtigen Klang zu geben. Aber als Klara sie mit fassungslosen Augen ansah, fügte sie flüsternd hinzu: „Sollten Sie vielleicht irgendwelche Ansprüche zu stellen haben?“
Fassungslos waren die wunden Mädchenaugen auf sie gerichtet.