„Er ist — so wahr mir Gott helfe, nein, was wird die Gnädige sagen? Was will er hier? Sie sind doch getrennt. Aber sehen Sie doch selbst. Er ist, mein Himmel, wie merkwürdig —“

Mina also, neugierig wie sie war, mußte sich ihn selbst ansehen.

Sie fand Hauptmann v. Dönhoff auf einem Sofa, eine Zigarette rauchend. Er richtete, als sie eintrat, die dunkle Brille auf sie, lächelte, und sie konnte vor Schreck keinen Ton hervorbringen. Der Gruß blieb ihr im Halse stecken. Sie hätte ihn — bei Gott — nicht wieder erkannt: grau, völlig grau, fast weiß, gelb, alt, um zwanzig Jahre älter mindestens! Und dieses Lächeln des welken Gesichts, diese Falten um den Mund — nur solche Leute konnten so lächeln, nur solche — Petersen hatte recht.

Mein Gott, welche Angst sie hatte! Weshalb mußte sie auch gleich hereinlaufen.

Hauptmann v. Dönhoff gähnte. Er blickte sie durch die dunkle Brille an, verfolgte jede ihrer Bewegungen. Dann sagte er lächelnd: „Na, also, Petersen, alter Knabe, erzählen Sie doch, was es Neues gibt in Berlin?“

Petersen! Er hielt sie für Petersen!

Vor Schrecken hätte Mina beinahe einen Teller fallen lassen.

Und das Feuer rollte.

Wie ein blutüberströmtes Antlitz stieg die Sonne aus der endlosen Staubwolke empor. Die in der Nacht fielen, waren jetzt schon kalt. Auf den Chausseen lagen in Stücke zerrissene Pferde und Männer, zertrümmerte Wagen und zerschmetterte Bäume; ihr grünes Laub rauschte im Morgenwind. Die Mütze über die geschorenen Schädel gezogen, kamen die Befehlsüberbringer im Auto angefegt und setzten über die rauschenden grünen Aste, die quer über der Straße lagen, hinweg.

Der Himmel stand voller Schrapnellwolken, Schwärme von Fliegern brausten im Frühlicht. Die Geschütze stampften, pochten, knackten — die rasende Erde beschoß aus ihren Kratern das aufgehende Gestirn der Sonne.