Es galt zu überlegen, jedenfalls — ein bedeutungsvoller Schritt!
Ein Schritt, der wohl erwogen sein wollte, obgleich er sich ja schon Jahre mit diesem Gedanken beschäftigte. Wohl erwogen. Otto? Nun, Ottos Meinung war ihm schließlich gleichgültig, Otto fragte ja auch ihn nicht um seine Ansicht, wochenlang bekam man ihn nicht zu Gesicht. Sein Sohn war ihm fast ein Fremder geworden. Und Ruth? Nun Ruth würde sich damit abfinden. Sie zuallererst. Erst jetzt war ihm zum Bewußtsein gekommen, wie vernünftig diese Ruth in Wahrheit war. Ja, möglich, möglich, daß er ihr ganzes Naturell falsch eingeschätzt hatte. Sie war in ruhigem und ausgeglichenem Gemütszustand von Babenberg zurückgekommen. Ihre sentimentale Laune schien weniger tief gegangen zu sein, als er befürchtet hatte. Obgleich dieser jugendliche Schwarmgeist, wie man ihm berichtete, noch hinter Schloß und Riegel saß und seiner Bestrafung kaum entgehen dürfte. Offenbar hatte Ruth die Beschaulichkeit auf dem Lande dazu benutzt, nachzudenken. Der rasche Schnitt mit dem Messer hatte sich wieder als die beste Heilmethode erwiesen.
Gewiß, auch Ruth würde sich damit abfinden — vielleicht war gerade sie es, die ihn am ehesten verstand.
Aber sie selbst — Dora?
Das heißt nicht, daß er zweifelte!
Natürlich nicht, er konnte auch aus früheren Äußerungen Doras schließen — es würde für sie immerhin einiges bedeuten, gesellschaftliche Stellung, nun, und manches andere. Sie war ja aus guter Familie, ein Bruder sogar Major, aber immerhin, kleiner, unbedeutender Landadel. Und nicht zuletzt würde sie gewiß aufatmen, aus diesem Zustand finanzieller Unsicherheit herauszukommen.
Nein, nicht das.
Aber es gab da das und jenes, was ihn in der letzten Zeit stutzig — ist stutzig das richtige Wort? — nun sagen wir ruhig: stutzig gemacht hatte . . .
Einiges, unbedeutende Dinge, Kleinigkeiten sozusagen, Imponderabilien — aber vielleicht tat er ihr bitter unrecht? Wie? Nicht unmöglich . . .
Wieder dröhnte das Hupensignal.