Der General hakte ärgerlich den Kragen zu.
„Es ist ganz unmöglich, auch nur fünf Minuten lang seine Gedanken zu sammeln“, sagte er laut und begab sich zum Auto zurück.
Die graue Limousine fegte in das heiße Berlin hinein: Sitzungen, Konferenzen, Vorträge. Schon warteten sie dichtgedrängt im Vorzimmer, und Weißbach schielte tatsächlich ununterbrochen nach der Uhr.
4
Nein, gewiß, der General kannte seine Tochter nicht.
Wäre er ein Beobachter, so würde er auf den ersten Blick gesehen haben, daß Ruth sich im Laufe des Sommers auffallend geändert hatte. Aber er war kein Beobachter: Sitzungen, Konferenzen, strategische Erwägungen — wie sollte er da ein Beobachter sein?
Ja, auffallend geändert!
Nicht mehr die schüchterne, scheue Ruth. Ihre Augen waren flammend und kühn, ihr Blick wich nicht mehr zurück. Fragend und forschend ruhte ihr Auge bei Tisch auf dem Vater, und häufiger als früher begegneten sich auf Sekunden ihre Blicke.
Etwas war hier nicht in Ordnung! Nein! Als Papa sie bei ihrer Rückkehr begrüßte, war etwas Auffallendes geschehen — noch heute zitterte die Betroffenheit in ihr nach. Papa war errötet! Noch mehr, Papa hatte die Augen niedergeschlagen. Aber man bedenke doch: Papa schlägt die Augen nieder!
Weshalb? Weshalb nur? Sie kannte Papa ja so genau. Irgendein Geheimnis war zwischen ihm und ihr.