„Stehen Sie doch auf!“ schrie Ruth. „Stehen Sie doch auf!“ Und sie schrie so laut, daß Herr Herbst sich tatsächlich taumelnd aufrichtete. „Was Sie sind, das sehe ich ja. Ein Verkommener, sehr wahr, völlig verkommen —“
„Ja, ja, ja!“ Herr Herbst hob beschwörend die Hände. „Aber ich war nicht immer wie heute, meine Dame. Mein Sohn ist gefallen, seine Mutter . . .“
„Aber wissen Sie denn, was Sie getan haben?“ unterbrach ihn Ruth außer sich. „Wissen Sie es denn? Wissen Sie denn, wen Sie verraten haben? Sie Judas Ischarioth?“
Bei dieser Schmähung prallte Herbst zurück.
„Wissen Sie es denn? Er war Jesus Christus, der wiedergekommen war, um die Menschheit zu erlösen! Ja, das war er! Sie wußten es nicht!“
„Jesus Christus!“
„Und Sie — ein Säufer —!“
Namenloser Schreck spiegelte sich in den kleinen, halbblinden Trinkeraugen. Er glaubte, was Ruth, bleich und rasend, schrie — und auch Ruth glaubte es im Paroxysmus des Schmerzes.
Rasch wandte sie sich ab und eilte fort. Eingeschüchtert sah das Häuflein der zerlumpten Kinder ihr nach. Sie waren verstummt, weil sie sahen, daß die Dame, die mit diesem komischen Betrunkenen zankte, plötzlich weinte.
„Sie haben ihn getötet — aber er ist unsterblich! Ein Prophet, ein Seher, ein Heiliger war er!“