„Es ist lieb von dir, daß du gekommen bist,“ fuhr Hedi fort, „wir sehen uns nun vielleicht lange nicht, vielleicht nie mehr. Und ich wollte gerne . . .“ Sie sprach leichthin — ganz Dame.

Ottos blanke, graue Augen waren fragend auf sie gerichtet.

„Ich reise wahrscheinlich.“

„Du reisest?“

„Ja. Nach Schweden. Es ist noch nicht ganz sicher. Man ist an Papa herangetreten.“ (Welche Lüge, welch infame Lüge, aber sie war ihr plötzlich durch den Kopf geschossen!)

„So?“ Ottos Neugierde war wach, aber er wagte nicht zu fragen.

„Ich werde der Mission attachiert. Wahrscheinlich muß ich nach Rußland. In besonderem Auftrag.“

„Ah!“

Der Herr im weiten hellen Mantel stand auf und grüßte. Er verneigte sich auch gegen Hedi, und während sie ihn kurz anblickte, lächelte sie unmerklich. Aber, sie konnte schwören, sie hätte nie, nimmermehr gelächelt, wäre ihr Herz in diesem Augenblick nicht so voller Bitterkeit gewesen. Der Spanier — er war übrigens nicht hübsch, eher häßlich — war ein Herr Ströbel oder ein Herr v. Ströbel, ein während des Krieges reich gewordener junger Mann. Sie erinnerte sich seines Namens. In seinem Hause, das wußte sie von Otto, fanden jene berüchtigten Spielabende statt, die die ganze Nacht hindurch dauerten.

Verlassen lag der Strauß weißer Rosen auf dem Tisch.