„Ich freue mich übrigens, Hedi —“ begann Otto.
„Ich meine — du begreifst ja wohl meine Motive? Es ist mir ja —“
„Bitte, Otto!“ unterbrach ihn Hedi. „Ich bin doch keine kleine Verkäuferin“ — scherzte sie — „wir wollen gute Kameraden bleiben. Kein Wort weiter. Hast du Zigaretten?“
Der Kellner stürzte mit einem Streichholz herbei. Er störte. Nur um etwas zu sagen, warf Hedi hin, daß das letztemal, als er zur Front reiste, diese furchtbare Hitze in Berlin war. Es lag keinerlei Absicht darin, auf Ehre, allein der dumme Kellner war Schuld daran. Schon stieg ihr die Röte ins Gesicht, und auch Otto errötete plötzlich.
Das letztemal — da war Hedis berühmtes Abschiedssouper gewesen.
Otto war ihr Gast!
Das Auto fuhr und fuhr — damals war Berlin ja noch nicht tot — es fuhr bis zu einem gänzlich entlegenen Hotel am Schlesischen Bahnhof — und Otto mußte sich fügen.
Hedi aber hatte schon alles vorbereitet. Sie hatte dem Besitzer des Hotels mit einem Schwall von Worten erklärt, daß ihr Mann auf Urlaub, durchkäme, und daß sie aus der Provinz seien, kriegsgetraut, und daß er nur diese eine Nacht hier wäre, daß sie ihn am Bahnhof abholen und hierher bringen werde. Mit einem Schwall von Worten hatte sie, bebend vor Angst und Aufregung, die Zimmer ausgewählt und das Menü zusammengesetzt. Nichts war gut genug, und der Kellner bekam zwanzig Mark Trinkgeld im voraus, damit er wußte, mit wem er es zu tun hatte.
Die gesamten Ersparnisse eines vollen Jahres gingen darauf. Es gab Kerzen anstatt des elektrischen Lichts, obwohl Kerzen schwer aufzutreiben waren, es gab Rotwein, obwohl Rotwein für die Lazarette beschlagnahmt war, es gab Sekt, obwohl er Unsummen kostete. Die kleine Tafel, die sie selbst deckte, war mit Blumen geschmückt. Er sollte sehen, daß es unsinnig war, den letzten Abend in irgendeinem langweiligen Weinrestaurant zu verbringen. Man mußte nur wissen, wie man es anpackte. Es ging alles in Berlin, aber man mußte etwas Unternehmungsgeist haben.
Und Otto — staunte! Über die Kerzen, den Wein, die ganze Aufmachung, wie er es nannte.