Es war heiß, und die elektrischen Bahnen brausten drunten vorüber. Es war Juli. Ein Bataillon zog zum Bahnhof, singend. Die Musik schmetterte und die Leute schrien begeistert. Berlin, das Berlin des Hochsommers brauste — drunten, tief drunten.
Die Kerzen, der Wein. Er war ihr Gast!
Sie entzog sich ihm nicht, weshalb denn? Sie legte das Kleid ab, sie öffnete ihr Haar. Sie schlüpfte in das dünne Seidenkimono, das sie für diesen Abend geschneidert hatte. Er sollte sehen, daß sie ihn liebte, und daß sie nicht ein albernes Gänschen war. Sie trug ihre kleinen himbeerfarbenen Pantöffelchen.
Berlin, das Berlin des Hochsommers und des Lebens brauste drunten, tief da unten — irgendwo.
Dann kam die Nacht.
Er sollte wissen, daß sie ihn liebte und Mut hatte. Ja, es gehörte Mut dazu, denn Papa würde sie auf die Straße werfen, wenn etwas passierte.
Sie war völlig außer sich vor Raserei. Ja, und sie konnte schwören, daß sie nichts bereute, daß sie es niemals bereute — trotz der fürchterlichen Angst, die sie ausgestanden hatte.
Hunderte von Pferdehufen trappelten auf der Straße — sie hörte sie immer noch — jetzt in dieser Sekunde . . .
Die Zigarette brannte. „Danke“, sagte sie, und der Kellner ging.
„Wo liegt dein Regiment jetzt, Otto?“ fragte sie, während die Röte ihrer Wangen langsam verflog.