Die Haustüre stand offen. Niemand war in der Diele, das Licht brannte.

„Petersen!“

Aber niemand kam. Stille.

Aus der oberen Etage, die dunkel lag, klang ein sonderbarer Ton. Wie das Klagen eines Vogels, der immer den gleichen hilflosen, wehmütigen Schrei ausstößt, ein gefangener Vogel, der den Tod fühlt und nur noch einen Klagelaut hervorbringen kann. Eine Geige. Es war Hauptmann v. Dönhoff, der zurzeit hier Wohnung genommen hatte — bis er etwas Geeignetes fand. Zweihundert schöne Frauen, zwei Elefanten und ein Nashorn — und jetzt trug er also eine schwarze Brille und fing an, die Geige zu lernen. Er übte von früh bis nachts.

Der General legte ab und öffnete die Türe, die zum Zeltzimmer führte.

Auch in dem kleinen Vorraum brannte Licht. Der verzückte Heilige in seinem zinnoberroten Rock schwang mit rasender Gebärde sein Buch — ein blinder Spiegel — der General schlug den Vorhang zur Seite — auch im Zeltzimmer war Licht, die blaue Deckenampel brannte. Aber niemand war zu sehen.

Da hörte er Doras Lachen und eine Männerstimme.

Er schrak zusammen. Hatte sie Gäste? Wer war hier? Es war wohl besser, wieder hinauszugehen und Petersen zu suchen. Vielleicht war er im Garten? Ja, wo war er eigentlich, dieser Petersen, das Haus offen, jeder Einbrecher konnte hereinkommen.

Fern, ganz fern klang das monotone Klagen des unglücklichen, gemarterten Vogels, der seinen Schmerz in dem ewig gleichen Ton ausdrückte.

Der General war verwirrt. Es fiel ihm schwer, einen Entschluß zu fassen. Schließlich — hatte Dora Geheimnisse vor ihm? Plötzlich erinnerte er sich all der kleinen Widersprüche, der unbedeutenden, gänzlich unbedeutenden Begebenheiten, die ihn zuweilen, besonders in letzter Zeit beunruhigt hatten. Sie war also nicht auf dem Lande, und doch schrieb sie —