Gräfin Heller öffnete leise die Türe, und man hörte auf einen Augenblick deutlich eine weiche, schmelzende Damenstimme: „Ich bitte Durchlaucht, unsere Frage wiederholen zu dürfen . . .“
Als der Diener Tee und Imbiß brachte, fand er den hohen Herrn eingeschlafen in einem Sessel vor dem Kamin. Augenblicklich aber erwachte er. „Die Koffer?“
„In der Bibliothek, Exzellenz, wie befohlen.“
„Nun, danke, gute Nacht, keine Störung, zehn Uhr Frühstück“ — und er verschloß alle Türen und prüfte, ob die Vorhänge dicht geschlossen waren.
Die Flucht der Gemächer war tageshell erleuchtet: Gemälde, Bronzen, Skulpturen, herrliche alte Möbel — die Wohnung war ein Museum! Selbst in dem geheimnisvollen Alkoven des Ankleidezimmers brannte Licht. Der hohe Herr lächelte, unmerklich, soweit es die mit einer dicken Wachsschicht überzogene, gelbe Gesichtsmaske zuließ. Die Lider bewegten sich rasch über den großen starren Augen Franz des Ersten. Er rieb die kleinen wächsernen Hände vor dem Kaminfeuer und trippelte mit hastigen, steifen Schrittchen ratlos über das gleißende Parkett des Museums, immer hin und her. Er schlürfte eine Tasse Tee, dann flüsterte er: „Und nun wollen wir anfangen!“ Und seine steile Glatze verschwand zwischen den Portieren des Arbeitszimmers.
Hier also fing er an. Zuerst öffnete er mit einem winzigen Schlüssel, den er bei sich trug, eine schwere, pechschwarze, italienische Renaissance-Truhe. Ihr entnahm er einen Schlüsselbund. Dann schloß er einen Mahagonisekretär auf, ein herrliches Stück, Empire, französisch, schwarze Ebenholzsäulen, von goldenen Schwänen gekrönt. Fächer sprangen auf, Schubladen öffneten sich.
Nun standen alle Schränke, Truhen, Kommoden, Vitrinen des Museums offen.
„Anfangen, ja anfangen —!“ Aber wie, wo? „Richelieu sagt einmal —“
Aber der hohe Herr verschwieg, was Richelieu sagte. Es war ihm im letzten Moment entfallen, es interessierte ihn nicht mehr.
Die Sammlung von Tabatieren, eine der kostbarsten in Europa — in den Koffer. Ein paar kleine alte Bändchen, in Schweinsleder gebunden, gänzlich unscheinbar — in den Koffer. Die Miniaturen auf Elfenbein, in den Koffer. Eine Schatulle, fränkischer Herkunft, eingelegt die Zerstörung Jerusalems, mit Schmuckstücken, Ringen, Uhren, Steinen, einem Kruzifix, Gold und Email — in den Koffer. Ein rotes Lederkästchen, bis zum Rand gefüllt mit Ordenssternen — in den Koffer. Die Mappe mit Handzeichnungen, drei kleine Niederländer — herrlich eigneten sich die alten Brokate zum Einhüllen — wieder ein Schluck Tee. Eine Börse voller Goldmünzen, vergessen, von Reisen zurückgeblieben — weshalb nicht? Sie nahmen ja fast keinen Platz ein. Nun aber kam das Prunkstück an die Reihe, das Kostbarste: ein vergoldeter, kleiner Hausaltar, spanisch — außerordentlich wertvoll! Vorsichtig auseinandergenommen, eingehüllt, in den Koffer. Aber die kleinen römischen Bronzen — wie?